Kunst und Lüge

In Dresden inszeniert Claudia Bauer Robert Harris’ kontrafaktischen Krimi «Vaterland», in Köln erzählt Stefan Bachmann Rainald Goetz’ Managerroman «Johann Holtrop» als Sprechoper

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Die Große Reichshalle ist das größte Gebäude auf Erden», jubiliert die Stadtführerin. In knackiger Uniform strahlt Ahmad Mesgarha auf der Bühne des Staatsschauspiels Dresden – «schöne Stadt, so unzerstört» – eine vollbusige Mischung aus Arroganz und Autorität aus: Höhe 290 Meter, Fassungsvermögen 180.000 Personen, «die Kuppel selbst misst einhundertvierzig Meter im Durchmesser, und der Petersdom zu Rom passt sechzehnmal hinein», doziert seine stolze Patriotin.

Sogar ein eigenes Klima herrsche drinnen, wenn der «Atem einer solchen Menschenmenge in die Kuppel aufsteigt und dort Wolken bildet, die kondensieren und als leichter Regen herabfallen».

Unterwegs in Speer-City

Der von Albert Speer entworfene monumentale Monsterbau könnte heute vom Kanzleramt bis zum Hauptbahnhof reichen (die Spree hätte umgeleitet werden müssen) – wenn, ja wenn Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte. In seinem Krimi «Fatherland» spielt der britische Autor Robert Harris einen alternativen Geschichtsverlauf durch, in dem Nazi-Deutschland die Rote Armee bis hinter den Ural zurückgedrängt, die Briten zum Aufgeben gezwungen und ganz Europa unter seinen Einfluss gebracht hat. 1964 – das Jahr, in dem der ...

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Theater heute 4 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt

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2./SONNTAG arte, Es war einmal Picasso
Thementag mit über 16 Stunden Programm, darunter die Spielfilme «Mein Mann Picasso» (1996) und «Wem die Stunde schlägt» (1943), die Dokumentarfilme «Der Minotaurus – das bin ich!» (2022), «Picasso ohne Legenden» (2022), «Pablo Picasso & Françoise Gilot – Die Frau, die nein sagt» (2020), «Looking for Picasso» (2013) und die...

Ups and Downs im Empire

Auf den ersten Blick ist das Post-Brexit-London noch immer die pulsierende Weltmetropole, die es stets war. Ein Wunder an funktionstüchtigem, im Minutentakt anfahrenden öffentlichem Nahverkehr; die Verkehrswende, von der verstopfte deutsche Städte nur träumen können, längst geschafft. Die versmogte Stadt, in der sich nichts mehr bewegt, ist längst Vergangenheit....

Arena der Bösen

Thomas Köck hat einen titelgemäßen Rache-Feldzug zusammengestellt mit einer Handvoll Figuren, Zitaten, Geschichten, Arien – von der Bibel über Shakespeare bis zu Mozart und Händel –, Jan Philipp Gloger ihn im Nürnberger Schauspielhaus als Crossover-Produktion in Szene gesetzt. Dazu holte er sich vom Opernhaus nebenan etwa die Sopranistin Andromahi Raptis für eine...