Kütt et, wie et kütt?
Wilfried Schulz macht in der ersten Spielzeit seiner Düsseldorfer Intendanz deutlich, dass er die Diaspora-Situation des auf Ausweichspielstätten vertriebenen Schauspiels, die sich nun wohl über Jahre (mindestens bis 2020) hinziehen wird, nutzen will zur offensiven Verankerung in der Stadt. Alles will er – alle Stile, alle Publikumsschichten, alle Richtungen, alle Orte. Aber auch alles mit einer der Stadt angemessenen Noblesse und Unverbindlichkeit. So auch in den beiden jüngsten Projekten. Flüchtlingsintegration und Elitenkritik – zwei brisante Themen, elegant verpackt.
Die Bühne denkt nicht vor, der Zuschauer denkt nach – wenn er denn will.
Ein bewährtes Muster: Man nehme eine sozial und charakterlich genügend differenzierte Gruppe aus der theaterbesuchenden Mittelschicht, einen im Bewusstsein dieser Schicht mehr oder minder deutlich vorhandenen sozialen Konflikt, einen Eindringling, der den latenten Konflikt zur Entfaltung bringt, und eine Lösung, die zwar einen gewissen Schlusseffekt erreicht, aber das Problem letztlich ungelöst lässt. Die Dialoge erhalten Schärfe und Humor durch entlarvende Zuspitzungen, die aus dem Alltag wiedererkannte oder eigene Haltungen in eine belastbare ...
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Theater heute April 2017
Rubrik: , Seite 19
von Gerhard Preußer
Theater Heute
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Sie ist wie ein sinkendes Schiff, diese Familie Tyrone. Ein Ozeandampfer, ehemals pracht- und hoffnungsvoll, der nun mit Schlagseite im Wasser hängt. Vater James ein abgehalfterter Tourneeschauspieler, Sohn Jamie im Dauersuff, Mutter Mary an der Nadel und das längst erwachsene Nesthäkchen Edmund mit unheilvollem Bluthusten. Bühnenbreit und meterhoch haben Armin...
Jan-Peter Kampwirth findet Freimaurer klasse: «In einem ganz normalen Händedruck liegt da eine große Verbindlichkeit!» Mitglied kann er aber leider keines werden, weil er Katholik ist – bei einer elitären Geheimgesellschaft darf nicht jeder mitspielen. Papstgläubige nicht. Und Frauen auch nicht. Das findet Gala Othero Winter ungerecht, aber Kampwirth wiegelt ab:...
