Krise auf mehreren Ebenen
In den USA bricht nach der Pandemie die Theaterlandschaft zusammen. Das Publikum «ist nicht wiedergekommen», heißt es allerorten, und die Theater, die ausschließlich auf die Einnahmen angewiesen sind, müssen reihenweise schließen. Etablierte Institutionen wie die Autor:innenwerkstatt LARK in New York, das HUMANA Festival in Louisville und viele mehr verschwinden urplötzlich von der Landkarte oder schrumpfen bis zur Unkenntlichkeit.
Dieser ökonomische Aspekt wird begleitet durch das seit Jahren anhaltende Ringen um einen Umbau der Theaterlandschaft, um bisher benachteiligte Gruppen endlich in Entscheiderpositionen zu bringen. Wie wirken sich diese Umstände auf Autor:innen aus?
Die Branche und ihre Struktur waren schon vor Corona im Scheitern begriffen. Im gemeinnützigen (non-profit) Bereich gab es von jeher zu wenig Geld, und nachdem 2020 die Black-Lives-Matter-Bewegung ihre Forderungen endlich stärker durchsetzen konnte, um dem Rassismus nach George Floyds gewaltsamem Tod etwas entgegenzusetzen, war deutlich: Das System des US-Theaters muss sehr schnell grundlegend umgebaut werden.
Nur gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie das geschehen könnte. Während sehr viel ...
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Theater heute Februar 2024
Rubrik: International, Seite 39
von Henning Bochert
Es ist immer wieder interessant, an Nazi-Kontinuitäten erinnert zu werden – dass etwa im Jahr 1988 Thomas Bernhards Uraufführung von «Heldenplatz» nur unter Polizeischutz stattfinden konnte und einen der größten Theaterskandale Österreichs der Nachkriegsgeschichte auslöste. Bernhard, der im Stück den fortdauernden Antisemitismus in Gesellschaft und Kulturbetrieb...
Da schließt sich der Kreis: ausweglos wie die Teufelskreise aus Gewalt und Rache, die sich schon zu Beginn der europäischen Kultur drehten und die den Krieg, damals den Trojanischen und in der Folge zahllose weitere, zu einem Ur-Motor von Mythos und Geschichte machten: Eine brutale Logik der Verkettung von Interessen und Begehrlichkeiten. Agamemnon, Kriegsherr und...
Klingt eigentlich sehr vernünftig: «Ab sofort», so kündigt der Berliner Kultursenator Joe Chialo im strengen Verordnungstonfall an, werden «Zuwendungen der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt mit einer Antidiskriminierungsklausel versehen». Sie soll sicherstellen, dass mit öffentlichen Geldern keine «rassistischen,...
