Kreativität ist kälter als die Gier
Das Stück in Ihrem Spielplan heißt «Die Gier». Stellen Sie sich vor, obwohl Ihre Darstellungen immer besser wurden, weniger, weit weniger könnten die Zuschauer trotzdem mit einem Titel wie «Die Kreativität» anfangen. Sie wollten einmal ein Stück über die «Gier der Banken» zeigen, weil Sie dachten, das Theater könnte sich noch relevant um gesellschaftliche Probleme kümmern. Und ich bin da ganz Ihrer Meinung. Nur liegen die Probleme nicht auf der Straße ... Es hat sie leider niemand aus dem Fenster geworfen.
Das Problem bei einem Stück über die Gier ist, dass da unten im Zuschauerraum zwar alle gewillt sind, der Geschichte über die «Gier» zu folgen, und daraus Konsequenzen zu ziehen. Nur muss man sagen, dass die meisten im Publikum nicht unbedingt aufgefordert sind, gierig zu sein. Was sie aber unbedingt sein sollen ist: kreativ. Auch der Regisseur selber.
Der konnte bisher die Gier ganz gut kritisieren, und auch hin und wieder bei sich selber genauer hinsehen. Aber wie ist es mit der Kreativität?
Etwas spricht eindeutig gegen das Geschichtenerzählen auf einer Bühne: Die Kreativen im Zuschauerraum vermissen keine universelle Geschichte über Kreativität. Sie wünschen sich auch keine, ...
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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Das Theater mit der Kreativität, Seite 8
von René Pollesch
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