Komplexe Gefühle

Auch Rieke Süßkow inszeniert Eugene O’Neills «Eines langen Tages Reise in die Nacht – Instrumentalversion» in einer entschiedenen Lesart: wort-, aber nicht sprachlos am Staatsschauspiel Nürnberg

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Vor etlichen Jahren gab es am Burgtheater einmal eine Inszenierung von Eugene O’Neills «Eines langen Tages Reise in die Nacht». Andrea Breth hatte Regie geführt, Schauspielkoryphäen wie August Diehl und Sven-Eric Bechtolf wateten durch eine seichte Wattmeerlandschaft. Vier Stunden zog sich wortreich das Leid der Familie Tyrone, und der Autor dieser Zeilen überschrieb seine damalige Kritik mit dem Spruch «Alles schon gesagt, aber noch nicht von allen».

Zu einem ähnlichen Schluss dürfte die Regisseurin Rieke Süßkow gekommen sein, als sie den Text des US-amerikanischen Dramatikers (1888–1953) für ihre zweite Inszenierung am Schauspiel Nürnberg vorgelegt bekam. Nun kennt man das vielleicht von intensiven Streits mit den Lieben: Alle meinen es gut, man versucht, komplexe Gefühle auszudrücken und sich verständlich zu machen, die Nacht nimmt kein Ende, obwohl allen Beteiligten dämmert, dass es am besten wäre, jetzt nichts mehr zu sagen, sondern schlafen zu gehen. Da nutzt es auch nichts, dass die Psychoanalyse uns schon seit über hundert Jahren vieles über uns selbst bewusst macht.

Bloß kein Textmuseum!
«Long Day’s Journey Into Night», ein Familiendrama für vier Personen (eigentlich ...

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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Martin Thomas Pesl

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