Das Prinzip Erinnerung
Theater heute «dumme Jahre» erscheint als genau das richtige Stück zur richtigen Zeit: Es reagiert auf viele Fragen nach den Landtagswahlen im September in Thüringen, Sachsen und Brandenburg. Aber tatsächlich verfolgen Sie diesen Stückplan seit zwei Jahren. Was hat Sie denn damals schon auf die Spur gesetzt?
Thomas Freyer Formaler Auslöser – gar nicht inhaltlich – war Christa Wolfs «Ein Tag im Jahr», wo man einer Figur über eine sehr lange Zeit folgen kann: ein ganzes Leben.
Das war die Grundidee: eine Familiengeschichte über 50, 60 Jahre.
TH Das Stück handelt von einer Kernfamilie vom ersten Kennenlernen der Eltern in den frühen 1960er Jahren bis heute: Mutter (Regine), Vater (Wolfgang), Tochter (Katja), Sohn (Daniel) sind mit einem Jugendfreund der Eltern, Matthias, als einzige auf der Bühne präsent. Um sie herum wird aber ein großes Panorama an Personal aufgerufen, das in den jeweiligen Phasen von DDR, Wende, Nachwende bis in die jüngste Gegenwart dann jeweils andockt. Außerdem wird diese Familiengeschichte nicht als kohärente, lineare Entwicklung erzählt; es gibt keinen auch nur annähernd kausalen Handlungsverlauf, sondern geht in wilden Sprüngen vor und zurück durch die ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Das Stück, Seite 44
von
An diesem Unort war mal etwas los. Was auch immer. Jetzt stapeln sich dort kaputte Stühle. An den Seiten Vorratsregale, auf denen kuriose, aber auch ganz normale Instrumente liegen, ein E-Piano und ein E-Cello. In der Mitte ein alter elektrischer Generator, der offenbar zu einer Belüftungs -anlage gehört. Links ein großer Lautsprecher, auf dem ein Tablett voller...
In Sachen bühnentauglicher Sarkasmus ist eine Stelle frei geworden, seit Sibylle Berg als Spaßpartei-Abgeordnete ins Europa-Parlament eingezogen ist und sich dort Tag für Tag aufopferungsvoll durch die mühsame Kleinarbeit in Gremien und Ausschüssen wühlt. Ihre – unter anderem – Übersetzerin ins Litauische, die Autorin und Kuratorin Arna Aley, könnte demnächst die...
Bernarda Alba oder ein Puppenheim. Alex Eales hat eine Puppenstube an die Bühnenrampe des Hamburger Schauspielhauses gestellt: einen schmucklosen Flachbau, dem an der Rampenseite die Mauer fehlt. Man blickt direkt in die Zimmer der Familie Alba, kleine Kammern, in denen die fünf Töchter sowie die demente Großmutter leben; man könnte hineingreifen, und die Figuren...
