Köln: Katzenjammer
Dieser Faust hat es in den Fingern, mit denen er in die Tasten greift. Der Wort- und Tatmensch als Pianisten-Nerd, so dass man den schlaksig-schlaffen Philipp Pleßmann anfangs für einen Adrian Leverkühn, einen ins Musikalisch-Dämonisch gewendeten Künstler halten könnte. Aber der zwölftönende Doktor Faustus würde sich kaum wie der Kölner Bühnen-Bruder, der an seinem Instrument hockt wie Georg Kreisler, ins gelegentlich angejazzte klassische Repertoire flüchten.
Es dominiert denn auch ein Konzertflügel die Spielfläche im Schauspiel-Depot (Bühne Christian Beck) und später noch ein Klavier, auf dem Gretchen «Meine Ruh ist hin» klimpert oder sich in Leidensübungen hineinwindet.
Moritz Sostmann gibt mit Mensch und Puppe gleich zu erkennen, dass er von Goethes Drama des Wissen-Wollens, der Lust und Qual der Empirie und des fortwährenden Drangs nichts wissen will. Fausts Monolog fällt als «Bla Bla Bla» aus seinem Munde. Liebe ist nur ein Schnulzen-Wort – und mit der Sprache nicht viel los. Nachlässige, vernachlässigte, verlaberte Kommunikation, demontiert zu Bruchstücken, ob nun der leiernde, schnarrende Faust in der Studierstube mit einem muskelprotzig-blöden Famulus disputiert, den ...
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Theater heute April 2017
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Andreas Wilink
Aachen, Grenzlandtheater
24. Zeller, Eine Stunde Ruhe
R. Werner Tritzschler
Aachen, Theater
8. Tschechow, Der Kirschgarten
R. Elina Finkel
Altenburg/Gera, TPT
23. Williams, Endstation Sehnsucht
R. Akillas Karazissis (Altenburg)
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
2. nach Pollack, Wie im Himmel
R. Tamara Korber
Augsburg, Sensemble Theater
29. Lausund, Bin nebenan
R. Jörg...
Er musste tatsächlich damit gerechnet haben. Sehr lässig schlenderte Georg Friedrich auf die Bühne zur Preisverleihung, auf dem Kopf die Schiebermütze, im Ohrläppchen den Knopf, um den Hals die Krawatte, baute sich hinter dem Sprechpult auf und pulte sich das Kaugummi aus den Zähnen, um es sorgfältig auf der Tatze des Silbernen Bären festzukleben, den er gerade als...
Die Zukunft findet nicht statt. Jedenfalls nicht im Dresdner Elbtal. Zu dieser interessanten
Diagnose kommen gleich zwei Uraufführungen des dortigen Staatsschauspiels. Glaubt man, zunächst, Konstantin Küsperts Prognose vom «ende der menschheit», die Anton Kurt Krause dort im Kleinen Haus (mit einem vergleichsweise munteren Schauspielertrio) urinszeniert hat, wird...
