Kill them all
Dunkel mag die Welt sein, kalt rieselt der Schnee, doch beruhigend belehrt uns die warme Erzählerstimme über den Verlauf des Abends. 2,5 Stunden wird er dauern, eine Pause. In der wir Zuschauer machen können, was wir wollen! Und da rauscht auch schon der blutrote Vorhang auseinander und enthüllt das hypergrell ausgeleuchtete White Cube-Universum des Markus Öhrn.
«Die Nacht der Lesben» nach Per Olov Enquist von 1975 spielt im dänischen Dagmar-Theater, erzählt vom Theater im Theater, den Proben zu Strindbergs Einakter «Die Stärkere» von 1889, den er damit brachialfeministisch überschrieb. Starr auf dem Sofa drapiert sich Theaterdirektorin Siri zu knisternder E-Zigarette. In der formal stringenten Gummipuppen-Ästhetik des Regisseurs trägt Schauspielerin Bettina Lieder Papp -maché-Maske mit kugelrund aufgerissenen Plastikaugen und rotem Riesenmund. Dass sie eine Chefin der Gegenwart ist, zeigt ihr schwarz-weißes Outfit, eine Mischung aus Anzug, Ballkleid und sexy Sportdress (Kostüm Eleonore Carrère).
Strindberg, der neidische Egoman
Entspannt sortiert Siri Knochen und Schädel auf dem Klavier, liest Zeitung: normaler Arbeitsmorgen in einem Theater, dessen alte Macht-Zeiten vorbei sind ...
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Theater heute Februar 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Dorothea Marcus
Theater heute Herr Milstein, wie sind Sie für Ihr Stück an den Münchner Kammerspielen auf den Fall Auerbach gekommen? Der Auschwitz-Überlebende war erster bayerischer Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte von 1946 bis 1952 in München und beging nach einem – wie sich später herausstellte – Justizskandal Selbstmord. Philipp Auerbachs Leben...
«Das sind nur die 90er, mein Freund, und das ist nicht mal bös’ gemeint.» So sang einst die Punk-Band But Alive über ihr identitätsstiftendes Jahrzehnt. Die Band ist inzwischen aufgelöst, ihr Sänger steht heute der Polit-Poprock-Combo Kettcar vor. Besonders im Osten, also in den Transformationsländern Mittel- und Osteuropas, waren die 1990er ein wilder Ritt...
Nicht rennen und unter keinen Umständen laut sein! Im Münchener Haus der Kunst wird man schon angeraunzt, bevor das erste Werk zu sehen ist. Bisschen viel prophylaktische Disziplinierung für eine Ausstellung mit dem Titel «For Children». «This is Germany», murmelt jemand.
Drinnen gibt es dennoch jede Menge Kids, wirklich tolle Kunstwerke – und mindestens fünfzehn...
