Kill them all
Dunkel mag die Welt sein, kalt rieselt der Schnee, doch beruhigend belehrt uns die warme Erzählerstimme über den Verlauf des Abends. 2,5 Stunden wird er dauern, eine Pause. In der wir Zuschauer machen können, was wir wollen! Und da rauscht auch schon der blutrote Vorhang auseinander und enthüllt das hypergrell ausgeleuchtete White Cube-Universum des Markus Öhrn.
«Die Nacht der Lesben» nach Per Olov Enquist von 1975 spielt im dänischen Dagmar-Theater, erzählt vom Theater im Theater, den Proben zu Strindbergs Einakter «Die Stärkere» von 1889, den er damit brachialfeministisch überschrieb. Starr auf dem Sofa drapiert sich Theaterdirektorin Siri zu knisternder E-Zigarette. In der formal stringenten Gummipuppen-Ästhetik des Regisseurs trägt Schauspielerin Bettina Lieder Papp -maché-Maske mit kugelrund aufgerissenen Plastikaugen und rotem Riesenmund. Dass sie eine Chefin der Gegenwart ist, zeigt ihr schwarz-weißes Outfit, eine Mischung aus Anzug, Ballkleid und sexy Sportdress (Kostüm Eleonore Carrère).
Strindberg, der neidische Egoman
Entspannt sortiert Siri Knochen und Schädel auf dem Klavier, liest Zeitung: normaler Arbeitsmorgen in einem Theater, dessen alte Macht-Zeiten vorbei sind ...
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Theater heute Februar 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Dorothea Marcus
Zeitreisen sind nichts für engagierte Menschen. Die wollen immer die Welt verbessern, was per se eine gute Sache ist. Aber bitte nicht, niemals, auf gar keinen Fall in der Vergangenheit! Weil, Problem: Jede kleine Veränderung in der Timeline kann dazu führen, dass die Zeitreisende nie geboren wird und folglich kollabieren Logik, Zeit, Raum, Universum.
Nun ist...
Drei Schauspieler und eine Schauspielerin stürmen brüllend die Bühne, gekleidet in riesige gelbe Reclamhefte; auf jedem bibeldicken Umschlag steht «Friedrich Schiller: Die Räuber». Bewaffnet mit Golf- oder Baseballschlägern dreschen sie zu den rasenden Beats von Rednex’ «Cotton Eye Joe» auf alles ein, was Elisabeth Weiß auf der hell ausgeleuchteten Bühne des...
Davon hätte Schiller nicht geträumt. «(What You’ll Find) On the Way to Becoming» des Regieduos Ta-Nia, Talia Paulette Oliveras und Nia Farrell, betrachtet die Schaubühne als esoterische Anstalt. Rund ab der Hälfte ihrer Inszenierung wird die Schiffbau-Box zur spirituellen Heilpraxis: «Keine*r verlässt diesen Ort, so wie er*sie gekommen ist», droht die vollmundige...
