Keine Haltung ist auch eine Hoffnung
Alles ganz normal. Sie brauche keine Sorge haben, beruhigt der Psychiater Doktor Prentice (Jörg Zirnstein) eine junge Bewerberin (Aleksandra Kienitz) für seine Sekretariatsstelle. Dass sie sich ausziehen müsse, diene allein der Prüfung ihrer Qualitäten, pardon, Qualifikationen. Und auch der Ausdruck Befummeln wäre für die Hand auf dem Schenkel eher missverständlich, zumal es sich ja um eine Untersuchung handelt! Was nach einem schlechten Altherrenwitz oder wahlweise einem schmierigen Mitternachtsfilm klingt, wird am Staatstheater Darmstadt zur provokativen Bühnenfarce.
Joe Ortons letztes Stück «Was der Butler sah» (1969) geizt obendrein nicht mit einschlägigen Slapsticks. Sobald zum Beispiel die Gattin (Gabriele Drechsel) des Arztes die Praxis betritt, muss die inzwischen halbnackte Stellenanwärterin rasch hinter den Vorhängen eines Schiebebetts versteckt werden. Dabei ist auch die Ehefrau nicht frei von Sünde. Nachdem sie die Nacht mit einem Pagen im Hotel verbracht hat, wird sie nun erpresst. Dass sich die Figuren zur Verteidigung ihrer Lügengeschichte überdies mehrfach verkleiden, sogar ihre sexuellen Präferenzen zu wechseln vortäuschen, ließ Joe Ortons Klassiker von 1969 zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2025
Rubrik: Start Darmstadt, Seite 48
von Björn Hayer
Theater heute «dumme Jahre» erscheint als genau das richtige Stück zur richtigen Zeit: Es reagiert auf viele Fragen nach den Landtagswahlen im September in Thüringen, Sachsen und Brandenburg. Aber tatsächlich verfolgen Sie diesen Stückplan seit zwei Jahren. Was hat Sie denn damals schon auf die Spur gesetzt?
Thomas Freyer Formaler Auslöser – gar nicht inhaltlich –...
In Sachen bühnentauglicher Sarkasmus ist eine Stelle frei geworden, seit Sibylle Berg als Spaßpartei-Abgeordnete ins Europa-Parlament eingezogen ist und sich dort Tag für Tag aufopferungsvoll durch die mühsame Kleinarbeit in Gremien und Ausschüssen wühlt. Ihre – unter anderem – Übersetzerin ins Litauische, die Autorin und Kuratorin Arna Aley, könnte demnächst die...
Bernarda Alba oder ein Puppenheim. Alex Eales hat eine Puppenstube an die Bühnenrampe des Hamburger Schauspielhauses gestellt: einen schmucklosen Flachbau, dem an der Rampenseite die Mauer fehlt. Man blickt direkt in die Zimmer der Familie Alba, kleine Kammern, in denen die fünf Töchter sowie die demente Großmutter leben; man könnte hineingreifen, und die Figuren...
