Böse Geister
In Sachen bühnentauglicher Sarkasmus ist eine Stelle frei geworden, seit Sibylle Berg als Spaßpartei-Abgeordnete ins Europa-Parlament eingezogen ist und sich dort Tag für Tag aufopferungsvoll durch die mühsame Kleinarbeit in Gremien und Ausschüssen wühlt. Ihre – unter anderem – Übersetzerin ins Litauische, die Autorin und Kuratorin Arna Aley, könnte demnächst die Lücke füllen.
Ihre «Emilia Galotti»-Überschreibung am Münchner Volkstheater behält außerdem jederzeit das große Ganze im Blick: Von Lessings Vorlage distanziert sich «Unsterblichkeit oder: Die Letzten Worte Emilia Galottis» schon im Titel, zumal diese letzten Emilia-Worte so ziemlich das Allerletzte sind, was Arna Aley unterschreiben würde.
«Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert», ist poetisch leicht umrankt nichts anderes als Emilias Einverständnis, von ihrem Vater Odoardo erstochen zu werden, damit der Prinz von Guastalla sie auf seinem Lustschlosss nicht «entblättern» kann. Heute nennt man dergleichen Ehrenmord. Daran auch nur herumzudeuteln mit bürgerlicher Moralkritik oder anderen Erklärungstechniken kommt nicht einmal im bayerischen Schulunterricht mehr in Frage, weshalb sich die Autorin ganz ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Franz Wille
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