Keine Annäherung
Zwei Kindheiten spiegeln sich ineinander – über Zeit und Entfernung hinweg –, treffen sich in Erlebnissen von teilweise heftiger Gewalt, werden jeweils zum Resonanzraum der anderen und dabei auch ein Stück weit transparent in ihrem historischen und sozialpsychologischen Kontext. Wenn das gelingt, kann dabei etwas aufgehen, ein lebendiger Widerstandsgeist, ein Gefühl der Solidarität zwischen Generationen, das sich bis in die Köpfe der Betrachter hinein fortsetzt.
Auf Vorschlag der Dramaturgin Viola Hasselberg hat sich die Schauspielerin Annette Paulmann für ihre erste Eigenregie im Werkraum der Münchner Kammerspiele mit den autofiktio -nalen «Erinnerungen einer Überflüssigen» der bayerischen Dichterin Lena Christ (1881–1920) angenommen. Die für damalige Verhältnisse ungewöhnlich offene Schilderung einer von harter Arbeit, physischer und psychischer Gewalt bestimmten Jugend und vor allem die lieblose, ja hasserfüllte Brutalität der Mutter gegenüber der Tochter, die gut in der Schule ist und schreiben will, erschüttern noch heute.
Und erinnerten Annette Paulmann mehr und mehr an ihre eigene, lange Zeit problematische Mutterbeziehung. Aus dieser Konstellation heraus – sowohl Lena ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Silvia Stammen
MÜNSTER, LWL MUSEUM FÜR KUNST UND KULTUR
bis 14.4.24, Nudes
In Kooperation mit der Tate London beleuchtet die Ausstellung den historischen künstlerischen Akt, intime und moderne Aktdarstellungen sowie surreale Körper und politisch aufgeladene und fragile Darstellungen nackter Körperlichkeit, Themen wie den männlichen Blick auf den nackten Frauenkörper und die Frage...
Schafe, alles Schafe», denkt Peter Bender oft in einer Art aufgebrachtem Mitleid, wenn er im Worms der 1920er Jahre die anderen Menschen an sich vorbeieilen sieht. Ihnen allen, diesen bedauernswerten Geschöpfen, fehlt nicht nur jede tiefere Einsicht in die Materie, sondern sie unternehmen auch keinerlei Anstrengung, zu selbiger zu gelangen! Für die träge...
Ich wünschte, Metin, man könnte Erinnerungen einfangen. Wie Insekten, die ein Eigenleben haben, einen eingebauten Instinkt, der sie leitet.» Arda, Protagonist von «Vatermal» und lebensbedrohlich erkrankter Literaturstudent, hat im Krankenhaus plötzlich Zeit und Druck, sich zu erinnern. Auch Mutter Ümran und Schwester Aylin, die sich am Krankenbett sorgfältig...
