Keine Annäherung
Zwei Kindheiten spiegeln sich ineinander – über Zeit und Entfernung hinweg –, treffen sich in Erlebnissen von teilweise heftiger Gewalt, werden jeweils zum Resonanzraum der anderen und dabei auch ein Stück weit transparent in ihrem historischen und sozialpsychologischen Kontext. Wenn das gelingt, kann dabei etwas aufgehen, ein lebendiger Widerstandsgeist, ein Gefühl der Solidarität zwischen Generationen, das sich bis in die Köpfe der Betrachter hinein fortsetzt.
Auf Vorschlag der Dramaturgin Viola Hasselberg hat sich die Schauspielerin Annette Paulmann für ihre erste Eigenregie im Werkraum der Münchner Kammerspiele mit den autofiktio -nalen «Erinnerungen einer Überflüssigen» der bayerischen Dichterin Lena Christ (1881–1920) angenommen. Die für damalige Verhältnisse ungewöhnlich offene Schilderung einer von harter Arbeit, physischer und psychischer Gewalt bestimmten Jugend und vor allem die lieblose, ja hasserfüllte Brutalität der Mutter gegenüber der Tochter, die gut in der Schule ist und schreiben will, erschüttern noch heute.
Und erinnerten Annette Paulmann mehr und mehr an ihre eigene, lange Zeit problematische Mutterbeziehung. Aus dieser Konstellation heraus – sowohl Lena ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Silvia Stammen
Wenn Jonathan Peachum und seine Frau in Dresden gleich zu Beginn der «Dreigroschenoper» den armen Filch in die Mangel nehmen und grün bis blau prügeln, geht es nicht ums Bettlergewerbe. Filch hat sich nämlich nicht mit leidvoll ausgestreckter Hand in einen vom Londoner Bettlerkönig kontrollierten Bezirk geschlichen, um ein paar Pennys abzugreifen. Er hat sich...
»Ich bin der Haß«
SOHN
DIE LIEBENDEN
BEA
RAMIN
DAHEIM
VATER
MUTTER
KIND
SOHN
TOCHTER
STIMMEN UND GESICHTER
Nachtleben Berlin; Bohème Krölpa: Uwe, Freya, Frau von Loewen, Gerry, Marc; Großfamilie München; Familie abends Dresden; Jahre, Jahre
JETZT
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Prolog
I Party
II Liebe
III Freunde
IV Familie
*
ORT Deutschland
ZEIT Im Herbst
PROLOG
Schläge Schreie Rufe
...
In Turnschuhen und weißem Kleid sitzt sie mit ihrem Vater am langen Tisch und gibt freche Widerworte. Pauline Gloger nimmt ihre Ophelia am Staatstheater Meiningen sehr frisch. Mit ihrem Schatz Hamlet (Yannick Fischer) sitzt sie in der Schauspielerszene wild flirtend und händchenhaltend als imaginierte letzte Reihe am Bühnenrand. Das ist der wahre Hingucker dieses...
