Jeder ist ein Künstler
Noch in ihrem letzten Gespräch mit der amerikanischen Performance-Künstlerin Annie Dorsen kurz vor ihrem Tod hielt Judith Malina an ihrem unbedingten Begriff von politischem Theater fest: «Es gibt zwei Klassen von Leuten im Theater: die Performer und die Zuschauer. Und das Verhältnis zwischen ihnen ist politisch. Wir haben viele Jahre darüber geredet und sind zu dem Schluss gekommen, dass der Unterschied zwischen uns und dem Publikum darin besteht, dass wir uns vorbereitet haben und sie nicht. Was ein großer Vorteil für die Zuschauer ist.
Weil sie spontan und frei sind und wir schon so viel gearbeitet haben. Und diese zwei Gruppen treffen dann aufeinander. Wir haben gerade in den letzten Jahren sehr hart daran gearbeitet, das Publikum in die Stücke einzubeziehen.»
Als Judith Malina mit ihrem späteren Ehemann Julian Beck 1947 das Living Theatre gegründet hat, besuchte sie noch den New Yorker Theatre Workshop des deutschen Emigranten Erwin Piscator. Dessen Vorstellung von politischem Theater war allerdings Lichtjahre entfernt von den radikalen Aufbrüchen der Fünfziger und Sechziger Jahre. Piscator, so Malina, habe immer gesagt: «Wenn ihr nicht wisst, was ihr sagen sollt, geht von ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Letzte Worte, Seite 71
von FW
Aachen, Grenzlandtheater
29. Seidler, The King’s Speech
R. Uwe Brandt
Aachen, Theater
7. Lotz, Der große Marsch
R. Thorsten Bihegue
22. Becker, Alles für Euch
R. Marc Becker
Aalen, Theater der Stadt
10. McGee, Höhenrauschen
R. Ramona Suresh
17. nach Schiller, Schiller im Park
R. Petra Jenni
Altenburg/Gera, TPT
10. Kressin und Kröger, Barbarossa ausgeKYFFt
R. Bernhard Stengele
Aug...
Irgendetwas stimmt nicht. Den Eindruck gewinnt man schnell bei Inszenierungen von Susanne Kennedy. Herauszufinden, woran das liegt, ist dagegen nicht so einfach. Doch genau dadurch entsteht der seltsame Sog dieser Arbeiten, mit denen die deutsche Regisseurin mit englischem Namen und Studium an der Amsterdamer Hogeschool voor de Kunsten seit einigen Jahren das...
Claus Peymann, Chef des Berliner Ensembles und zuverlässiger Hauptstadt-Entertainer, analysierte vor ein paar Jahren in einem Zeitungsinterview sehr unterhaltsam die deutschsprachige Gegenwartsdramatik: «Die reine Flucht ins Private!», stöhnte der 77-Jährige weitgehend datenungestützt auf, um anschließend messerscharf zu konkretisieren: «Es ist immer das Problem,...
