I’ve got my blood

Nationaltheater: Lessing «Emilia Galotti»

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Emilia Galotti hat die Normen der bürgerlichen Moral so verinnerlicht, dass sie sich lieber von ihrem Vater erdolchen lässt, als sich den prinzlichen Gefährdungen auszusetzen, für die sie ziemlich anfällig ist. Lieber tot als einem Gefühl nachgeben, das die Familienehre verletzt. Eine Aufforderung zum Ehren(selbst)mord – wo gibt’s denn so was heute noch jenseits anatolischer Großclans?

Regisseurin Thirza Bruncken hat eine klare Antwort, die deutlich ins Gestern weist: zuletzt in den frühen 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, irgendwo an einer häßlichen Straßenecke in München.

Jedenfalls geben die Autos – BMW 2500, Ro 80 – und die Straßenschilder im Hintergrund (Ingolstadt 78 km, Landshut 69 km) einen präzisen ortzeitlichen Hinweis. Also Fassbinder-Land, Sperr-Land, frühes Kroetz-Land: «Zu einer Liebe gehört auch ein Schmerz.» Natürlich auch Rolf-Dieter-Brinkmann-Land, dessen «gedicht» in die Textfassung integriert ist.
Bühnenbildner Christoph Ernst hat mit fassadenhohen schwarzweißen Fototapetenwänden und einer liebevoll rekonstruierten Telefonzelle samt mächtigem Wählscheibenungetüm die angerostete Wirtschaftswunderherrlichkeit auf die Drehscheibe gebannt. «Am Bruchstück» heißt ...

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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Chronik: Weimar, Seite 60
von Franz Wille

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