Im Selbsttäuschungsrausch
Chapeau: Die provinzielle Elite sieht noch schlechter aus als erwartet. Vom Schulrat, der ausschließlich verhaltensauffällige Pädagogen beschäftigt, über den Kreisarzt, der der Landessprache nicht mächtig ist, bis zum Richter, der sich hier mit «Windspielen» bestechen lässt, warten die städtischen Regierungsorgane im mehltaufarbenen Einheitslook auf. Der grünliche Lichtkegel beseitigt auch den letzten Zweifel, dass dieses Zombie-Kabinett über die Dienstjahre hinweg kontinuierlich Schimmel angesetzt hat.
Jetzt sind die prächtig blühenden Fäulniskulturen und Korruptionssümpfe allerdings in akuter Enthüllungsgefahr, da – wie es Nikolaj Gogols gleichnamiger Komödienklassiker bekanntlich will – ein «Revisor» das Städtchen heimzusuchen droht. Inkognito, versteht sich.
Während die Nachricht beim Gros der Würdenträger höchst stimulierend auf die Darmperistaltik zu wirken scheint (man verrenkt sich jedenfalls kollektiv in schwer mitleiderregenden Stuhlverhaltungschoreografien), glauben die Gutsbesitzer Dobtschinskij und Bobtschinskij – eine Art personifizierte zaristische Yellow-press-Antizipation –, das Prüfungsorgan beim jüngsten Wirtshausbesuch bereits entdeckt zu haben; und zwar im ...
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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Christine Wahl
Die Bühne der «Great Mongolian Show» steht seit geraumer Zeit verlassen. Neben der verblassten Leinwand-Steppe haben es sich die drei dazugehörigen Mongolen mit einem Fläschchen Sekt gemütlich gemacht und trotzen jedweder Erwartungshaltung des Publikums aufs Entspannteste. «Gebt den Anderen doch auch mal die Chips!», sagt die Mongolin schließlich. Mit...
Mut ist ein großes Wort. Aber wenn einer fragt, wovon denn der Teamgeist des neuen Schauspiels am Theater Basel bestimmt sein könnte, dann hätten wir wenige Monate nach dem Saisonstart des Leitungstrios Martin Wigger, Tomas Schweigen und Simon Solberg eine erste Antwort: Sie wagen was, sie zaudern nicht. Sie gehen aufs Ganze. Und aufs Ganze gehen, heißt auch, das...
Man nehme eine überschaubare Anzahl von Figuren, typisiere sie so weit, dass sie eine genügend große Gruppe von Menschen abdecken, individualisiere sie so stark, wie zur Glaubhaftigkeit nötig: Auf dieses bewährte Muster greift Lutz Hübner mit «Richtfest» zurück. Man setze diese Figuren in eine gemeinsame Situation und hetze sie aufeinander. Die Lösung der...
