Innige Sünder, edle Prinzipienreiter
«Rosmersholm» wird auf ewig mit einem endlos bunten Strickschal verknüpft bleiben. Dieses bedeutsame Requisit, an dessen offenem Ende die Rebekka West von Angela Winkler während der ganzen Aufführung emsig weiterstrickte, stand im Zentrum von Peter Zadeks bis zur Zermürbung betulicher Ibsen-Inszenierung 2001. Und jetzt, zehn Jahre später auf der Volksbühne: wieder ein Strickschal! Allerdings eierschalfarben und, wie sich herausstellt, völlig verwaist auf einem Sessel in Rampennähe endgelagert.
Eine Verbeugung vor dem toten Meister?
Zur Erinnerung: Der Thrill der Zadek-Inszenierung bestand vor allem im fortgeschrittenen Alter der Schauspieler. Der damals 60-jährige Gert Voss und die kaum jüngere Angela Winkler bildeten das ergraute Liebesduo, dessen mörderische Rücksichtslosigkeit geradezu frivol wirkte. Verglichen damit ist es Leander Haußmann, der sich nach längerer Theaterabstinenz über «Rosmersholm» beugt, mit Ibsens Psychokrimi bitter ernst. Einerseits will er die Liebe zwischen dem frisch verwitweten Rosmer (Peter Lohmeyer) und der gebildeten Rebekka (Annika Kuhl) als rein und unbedingt darstellen: Leonard Cohen, der abgefuckte Romantiker, liefert dazu mit dem Erotiksäusler ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 48
von Eva Behrendt
Theaterbetriebe werden oft als Dampfer bezeichnet, und Intendanten sehen sich bekanntlich gern in der Rolle des Steuermanns. Wohl um diesem guten Gefühl auch mal auf der Bühne Ausdruck zu verleihen, hat sich Johan Simons zur Eröffnung seiner zweiten Spielzeit als Intendant der Münchner Kammerspiele Federico Fellinis Alterswerk «E la nave va» aus dem Jahr 1983...
Die Welt ist eine weiße Scheibe mit Absturzgefahr. Rausgebrochen aus einem Stück Himmel, das wie ein Heiligenschein über der Bühne schwebt (Bühne Claudia Kalinski). Alleinherrscher auf dieser Scheibe ist Minister von Walter (Moritz Dürr) als Stellvertreter des gottgleichen Präsidenten, der nie da ist, wie Sekretär Wurm (Oliver Simon) mit Blick nach oben anmerkt....
Das muss sie schon selbst entscheiden, die Freie Szene. Anders als die Stadttheater ist sie in den letzten Jahren Teil eines internationalen Netzwerks und eines elaborierten
Kunstdiskurses geworden. Das bringt neue Vergleichsmöglichkeiten, Kriterien, Finanzierungsstrukturen, Herausforderungen mit sich. Eigene lokale Süppchen zu kochen,
das ist selten noch eine...
