In Kunst verbannt
Wer immer schon genauer wissen wollte, wo das gottverlassenste Ende der Welt wartet, die schlimmste Strafe der Verbannung, der hat jetzt eine konkrete Adresse: die kahle Betonwand von Saal C der Berliner Schaubühne, knapp über Kellerniveau. Dort unten im nackten Halbrund des Bühnenbauchs ist Prometheus mit schweren Ketten angeschmiedet, dort stöhnt und dröhnt Ernst Stötzner die Leiden des ersten großen Zivilisationsschadens der Antike.
Prometheus, der unsterbliche Titan, muss seine Menschenfreundlichkeit bitter büßen.
Zum Dank dafür, dass er den geliebten Erdenbürgern Feuer und Zuversicht, Schrift und Heilkunst, Mathematik und Ackerbau – kurz: Kultur und Lebensart – beigebracht hat, wird er vom frisch auf den Götterthron gerückten Zeus böse abgestraft. Gerade noch hatte er dessen Putsch gegen Tyrannen-Vorgänger Kronos unterstützt, schon fällt er wegen Geheimnisverrat in Ungnade. In Aischylos’ Griechenhimmel herrschen Verhältnisse wie in jeder Bananendiktatur.
Regisseur Jossi Wieler lässt die Zuschauer von ihrem gepflegten Schaubühnengestühl tief in ein feuchtes Kellerverlies blicken. Aufrecht und unbeugsam darbt dort auf neckischem Sockel das Dulderstandbild, Stötzners ...
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