In der Quiet Zone
Und ich fahre im Zug durch die Alpen. Nebel kriecht durch die Wälder am Hang, der Himmel ist diesig, ich sitze im Ruheabteil. «Perfekt, schönes Tagle», wünscht mir der Schaffner und steckt sein Kontrollgerät wie einen harmlosen Colt an den Gurt. Merci vilmal, denk ich, genieße die Aussicht, dann klapp ich den Laptop auf. Ich reserviere stets extra im Ruheabteil, um in Ruhe und Frieden arbeiten zu können. Und fast immer strapaziert dieses Sonderabteil meine Nerven. Denn, ist es nicht so, die große Ruhe exponiert das kleinste Störgeräusch.
Wir kennen das aus dem Theater: Die kultivierte Aufmerksamkeit des Publikums ist dem Emeukal eine Bühne (los, mein Kleiner, deine Stunde hat geschlagen!).
Und so ist es auch im Ruheabteil der Deutschen Bahn. Es gibt die Konzentrierten, die sich redlich an die Regeln halten (zu dieser Gruppe zähle ich), es gibt jene, die sich der Ruhe willentlich widersetzen, und es gibt die, die ein Freund von mir Anfänger nennt. Das sind jene Fahrgäste, die nicht wissen, dass sie sich im Ruheabteil befinden. Da hilft auch die beidseitige Bordüre nicht, die sich quer durchs gesamte Abteil zieht: RUHEBEREICH QUIET ZONE RUHEBEREICH STILTEZONE RUHEBEREICH AREA DEL ...
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Theater heute April 2024
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Caren Jeß
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