In den Ruinen
Manchmal programmieren Theater Stoffe passgenau zu politischen, gesellschaftlichen, historischen Schlüsselpunkten. Luk Perceval gelang so etwas vergangenen Januar am Hamburger Thalia Theater mit Hans Falladas «Wolf unter Wölfen»: Eine wütende Landbevölkerung rebellierte da gegen die demokratischen Regeln der Weimarer Republik, und parallel zur Premiere wurden Bauernproteste gegen die Ampelregierung von Rechtsextremen instrumentalisiert – eine politische Analogie, die nicht gewollt wirkte, sondern die die gesellschaftliche Relevanz des Theaters wie zufällig herausstellte.
Und dann gibt es Stücke, bei denen die Realität die Kunst zu überholen scheint. Jan Bosse eröffnet die Thalia-Saison mit T.C. Boyles Romanstoff «Blue Skies», und die Ökozid-Groteske wirkt ein wenig schal, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass der menschengemachte Klimawandel längst das von Boyle Beschriebene in den Schatten stellt. Am Premierentag von «Blue Skies» jedenfalls sorgt das durch die Klimaerwärmung aufgeheizte Mittelmeer für sintflutartige Regenfälle in Österreich, Tschechien und Polen, insgesamt kommen mehrere Menschen in den Fluten um, und wenn man im Vergleich sieht, mit welch bösem Grinsen Bosse ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Falk Schreiber
Hinter den drei steinernen Art-Deco-Torbögen des Leipziger Grassi-Museums wartet das geheimnisvolle Transsylvanien mit dem dunklen Fürsten Nosferatu. Das Schauspiel Leipzig nutzt den Hof des Museums für einen Ausflug in einen Horrorklassiker, inszeniert von Katharina Ramser, die mit dem «Nosferatu» zugleich ihre erste Arbeit am Leipziger Theater zeigt.
Die Fassung...
Wer sich noch an die Nuller Jahre erinnert, als Deutschland ökonomisch als «kranker Mann Europas» galt, eine Rezessionsrunde die nächste einläutete, worauf der SPD-Kanzler Schröder die «Agenda 2010» und «Hartz IV» erfand, für 20 Jahre die sozialpolitische Glaubwürdigkeit der Sozialdemokratie verspielte und der Neoliberalismus ein gutes Jahrzehnt lang seine kalte...
Vielleicht ist es der gelegentliche Schneesturm, der über die Bühne zieht, verwaschen, grau und sichtbar nasskalt. Vielleicht ist es das Akkor -deon, das manchmal eine Tango-Melodie anstimmt. Vielleicht ist es das einsame Bild des in die Jahre gekommenen Wohnwagens, der am hinteren Rand der Bühne steht. Und aus dem, neben Klarinettenklängen, jenes Akkordeon ertönt...
