In den Ruinen

Ist es komisch oder tragisch, wenn der Planet unbewohnbar wird? Jan Bosse und Alexander Eisenach widmen sich am Hamburger Thalia Theater und am Deutschen Theater Berlin T.C. Boyles «Blue Skies»

Theater heute - Logo

Manchmal programmieren Theater Stoffe passgenau zu politischen, gesellschaftlichen, historischen Schlüsselpunkten. Luk Perceval gelang so etwas vergangenen Januar am Hamburger Thalia Theater mit Hans Falladas «Wolf unter Wölfen»: Eine wütende Landbevölkerung rebellierte da gegen die demokratischen Regeln der Weimarer Republik, und parallel zur Premiere wurden Bauernproteste gegen die Ampelregierung von Rechtsextremen instrumentalisiert – eine politische Analogie, die nicht gewollt wirkte, sondern die die gesellschaftliche Relevanz des Theaters wie zufällig herausstellte.

Und dann gibt es Stücke, bei denen die Realität die Kunst zu überholen scheint. Jan Bosse eröffnet die Thalia-Saison mit T.C. Boyles Romanstoff «Blue Skies», und die Ökozid-Groteske wirkt ein wenig schal, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass der menschengemachte Klimawandel längst das von Boyle Beschriebene in den Schatten stellt. Am Premierentag von «Blue Skies» jedenfalls sorgt das durch die Klimaerwärmung aufgeheizte Mittelmeer für sintflutartige Regenfälle in Österreich, Tschechien und Polen, insgesamt kommen mehrere Menschen in den Fluten um, und wenn man im Vergleich sieht, mit welch bösem Grinsen Bosse ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
«Ein bisschen die Heimat unterstützen»

Steht man vor dem Friedensgrenze e.V., fühlt man sich sofort in die Zeit vor 1989 versetzt. Das ehemalige Kulturhaus und Kino in Guben, direkt an der Oder, trägt stolz seine Patina des Umbruchs. Im Inneren befindet sich noch die alte Kinokasse, im Foyer verkauft der örtliche Trägerverein, der sich seit einigen Jahren um das Gebäude und seine kulturelle Bespielung...

Im Schlachthaus

Einmal klebt der Biberkopf dem Franz auf dem Rücken wie ein Beatmungsgerät, als wolle er ihm Energie in den müden, schlappen Körper pumpen. Der Franz hat’s jetzt auch wirklich nötig: Aus dem Täter ist längst auch ein Opfer geworden, der dem kriminellen Sumpf, in dem er nach vier Jahren Gefängnis wieder gelandet ist, nicht entfleuchen kann. Der Großstadtmoloch...

Finnische Tristesse

Vielleicht ist es der gelegentliche Schneesturm, der über die Bühne zieht, verwaschen, grau und sichtbar nasskalt. Vielleicht ist es das Akkor -deon, das manchmal eine Tango-Melodie anstimmt. Vielleicht ist es das einsame Bild des in die Jahre gekommenen Wohnwagens, der am hinteren Rand der Bühne steht. Und aus dem, neben Klarinettenklängen, jenes Akkordeon ertönt...