In den Ruinen
Manchmal programmieren Theater Stoffe passgenau zu politischen, gesellschaftlichen, historischen Schlüsselpunkten. Luk Perceval gelang so etwas vergangenen Januar am Hamburger Thalia Theater mit Hans Falladas «Wolf unter Wölfen»: Eine wütende Landbevölkerung rebellierte da gegen die demokratischen Regeln der Weimarer Republik, und parallel zur Premiere wurden Bauernproteste gegen die Ampelregierung von Rechtsextremen instrumentalisiert – eine politische Analogie, die nicht gewollt wirkte, sondern die die gesellschaftliche Relevanz des Theaters wie zufällig herausstellte.
Und dann gibt es Stücke, bei denen die Realität die Kunst zu überholen scheint. Jan Bosse eröffnet die Thalia-Saison mit T.C. Boyles Romanstoff «Blue Skies», und die Ökozid-Groteske wirkt ein wenig schal, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass der menschengemachte Klimawandel längst das von Boyle Beschriebene in den Schatten stellt. Am Premierentag von «Blue Skies» jedenfalls sorgt das durch die Klimaerwärmung aufgeheizte Mittelmeer für sintflutartige Regenfälle in Österreich, Tschechien und Polen, insgesamt kommen mehrere Menschen in den Fluten um, und wenn man im Vergleich sieht, mit welch bösem Grinsen Bosse ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Falk Schreiber
Man muss ein wenig ausholen: Am 25. September, dem Vorabend der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Thüringer Landtags, veröffentlicht Björn Höcke auf der Social-Media-Plattform X den Post «Demokratiedämmerung». Darin klärt der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag und Landessprecher der AfD Thüringen seine 144.323 Follower auf, «wie die...
Vielleicht ist es der gelegentliche Schneesturm, der über die Bühne zieht, verwaschen, grau und sichtbar nasskalt. Vielleicht ist es das Akkor -deon, das manchmal eine Tango-Melodie anstimmt. Vielleicht ist es das einsame Bild des in die Jahre gekommenen Wohnwagens, der am hinteren Rand der Bühne steht. Und aus dem, neben Klarinettenklängen, jenes Akkordeon ertönt...
Neue Stoffe für die Bühne, mal was anderes als die Klassiker, bei denen sich da über die Jahrzehnte und -hunderte zu viel weltbildlicher Staub auf dem Kanon-Rücken angesammelt hat. Na, dann macht mal, muss sich Volkstheater-Intendant Christian Stückl gedacht haben, lässt er die Spielzeit doch von zwei Regisseurinnen mit frischen Stoffen eröffnen: Yorgos Lanthimos’...
