Im Körpergeschäft
«Keyboard, Flöte, Kartoffelbrei» und «Fieber, Summen, Sorge» heißt es, unterbrochen von «Fernsehverbot, Brettspiele und ‹Trinkflasche, nicht beschriftet›». Zwei Performerinnen bewegen sich dazu im Kreis, krabbeln zunehmend erschöpft über ein paar zusammengeschobene Stühle. Zwischendurch stimmen sie ein Kinderlied an und rufen panisch: nach den Ballettschläppchen, der Regenhose, dem Babydino. Muttersein, das erzählt diese treffende, tragisch-komische Szene in Sarah Frankes Inszenierung von «Milch & Schuld» ist eine Endlosschleife.
Ist nicht nur beglückend, sondern auch zehrend und zermürbend, ist ein Zustand, fremdbestimmt zwischen Küche, Kita, Kinderliedern. Von wegen: «Wenn sie dich anlächeln, ist alles wieder gut.»
Muttersein, das konstatiert Sina Ahlers, Jahrgang 1990, Stückautorin und junge Mutter, ist Arbeit. Außerdem womöglich unerfüllte Sehnsucht, Frustration, Erschöpfung und auch ein Geschäft. Schließlich ist Leihmutterschaft das Thema, das die Autorin in ihrem in Kassel uraufgeführten Werk in den Fokus rückt. Ein Geschäft, «das der ganze Körper verrichtet.»
Behutsam erzählt Ahlers darin von einer nicht näher charakterisierten Zartie, die als Leihmutter arbeitet, und einer ...
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Theater heute Februar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Katrin Ullmann
Der Balkan ist eine kleine Region», erklärt Aurela Kadriu, Produzentin und Kuratorin der kosovarischen Plattform Qendra Multimedia. «Es gibt nur wenig Austausch zwischen den Theatermacher:innen, obwohl unsere gesellschaftlichen Entwicklungen und Probleme ähnlich sind und wir auf der Bühne die gleichen Themen verhandeln.»
Das ist einer der Gründe, weshalb Qendra...
In Deutschland wird heute eine Frau* getötet werden. Und morgen wieder. Und übermorgen wieder. Statistisch gesehen, vielleicht gibt es auch ein paar Tage Pause und dann eine kleine Serie. 360 Femizide zählte das BKA im Jahr 2023, dazu kommen 578 Tötungsversuche.
Es könnte etwa so abgelaufen sein: Ein Mann betritt den Tabakladen seiner Freundin oder vielleicht...
Ursprünglich wurde das Festival «Nordwind» 2006 als Schaufenster der nordeuropäischen Theateravantgarde gegründet, dezentral organisiert mit Aufführungen in Berlin, Hamburg und Dresden, später auch noch Bern. Im Laufe der Jahre sprangen die Kooperationspartner ab, als einziger Spielort des Festivals blieb das Hamburger Produktionshaus Kampnagel. «Nordwind» wurde...
