Hat sich ausberedet
In Deutschland wird heute eine Frau* getötet werden. Und morgen wieder. Und übermorgen wieder. Statistisch gesehen, vielleicht gibt es auch ein paar Tage Pause und dann eine kleine Serie. 360 Femizide zählte das BKA im Jahr 2023, dazu kommen 578 Tötungsversuche.
Es könnte etwa so abgelaufen sein: Ein Mann betritt den Tabakladen seiner Freundin oder vielleicht Exfreundin. Er hat wahrscheinlich Benzin dabei, er schlägt sie wahrscheinlich, wieder. Er legt Feuer. Was wir sicher wissen ist, er schließt die einzige Tür von außen ab und geht ruhigen Schrittes davon.
Denn nur das beschreibt Rachel J. Müller in ihrem Stück «Tabak», das Re -gisseurin Lea Oltmanns und ihr Ensemble in Essen präzise und berührend zur Uraufführung bringen. Müller schildert den Mord ausschließlich aus der Perspektive der Überlebenden: der Nachbarinnen und des taubengrauen Mehrfamilienhauses selbst. Der Täter und damit der genaue Tathergang, seine Rechtfertigungen, das unvermeidliche Victim-blaming, bekommen keine Bühne.
«Tabak, oder warum Sie mit dem Frauen morden aufhören sollten» ist ein beeindruckendes Stück. Klar in der Sache, sprachgewandt und zugleich ohne Angst davor, unterhaltsam zu sein, umkreist es ...
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Theater heute Februar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Cornelia Fiedler
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