«Ich will Stille erzeugen»
Thomas Assheuer Herr Haneke, für Ihren Film «Das weiße Band» sind Sie mit Lob überschüttet worden, in Cannes gab es 2009 dafür die Goldene Palme, und den Europäischen Filmpreis haben Sie auch bekommen. Vor allem für die Kinderszenen hat man sie gefeiert. Wie haben Sie die Kinder gefunden?
Michael Haneke Es war viel Arbeit. Wir wollten ja nicht nur begabte Kinder finden, was schwierig genug ist, wir wollten Gesichter finden, wie man sie von den Fotos dieser Zeit kennt. Alles in allem haben wir in einem halben Jahr mehr als siebentausend Kinder gecastet.
Assheuer Aber es gibt doch Agenturen.
Haneke Die haben wir als erstes abgeklappert, aber die Auswahl war gering. Dann haben wir dort, wo der Film gedreht werden sollte, in der Prignitz (Brandenburg), Zeitungsanzeigen geschaltet und Radioaufrufe senden lassen. Alle Dörfer der Gegend wurden abgegrast. Wenn wir einige Kinder interessant fanden, hat mein Team sie ein zweites Mal aufgesucht, einen Text sprechen lassen und sie dabei gefilmt. Ich habe mir dann die engere Auswahl auf den Videos angesehen. Natürlich haben wir zusätzlich in allen großen Städten gesucht, auch im Ausland. Die beiden Kinder des Arztes, Roxane Duran und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Um es gleich mal vorweg zu sagen: Hier geht es nicht um Unterschichts-Tristesse und Statusverlustängste von ehemals Besserverdienenden. Oder zumindest nicht so, wie man es in letzter Zeit gewohnt ist – gepaart mit trüben Aussichten und chronischer Weltuntergangsparanoia. In Sebastian Nüblings Münchner Kammerspiel-Inszenierung von «Endstation Sehnsucht» ist man...
Es ist zum an die Wand springen. Da hat man mal einen vernünftigen Selbstmordgedanken, aber kein brauchbares Hilfsmittel, um ihn umzusetzen. Der adoleszente Alkoholiker Darko ist ein widerwillig Überlebender, der nur manchmal und viel zu kurz die Courage zum Suizid hat, sonst aber gern andere dazu ermutigt. Zum Beispiel Ulrike, die irgendwann vom Hochhaus springt....
Der Demos», sagt Herfried Münkler, «ist aus einem Politikpartizipanten in einen staunenden Fernsehzuschauer verwandelt worden.» In ein für Populismus jedweder Art anfälliges Stimmvieh. Aus dem Volk ist eine Masse geworden, die sich lobbyistisch für Partikularinteressen zusammenfindet, ohne noch über ein Gemeinsames zu verfügen. So entsteht gewissermaßen ein neuer...
