Hoffnung ist süßer
«Man darf die Brücken nicht abreißen lassen.» Theaterdirektor Karl spricht diese Worte mit Blick auf seine Frau Edda ebenso gelassen wie sehnsüchtig aus. Sie markieren den diskursiven Stand des Heute genauso wie die Moral von Kleists «Kohlhaas», der hier in Meiningen in einer Bearbeitung von Björn SC Deigner auf die Bühne in den Kammerspielen gekommen ist. Deigner aktualisiert oder überschreibt dabei nicht die Kleistsche Novelle, sondern baut sich eine Strichfassung, die dann um mehrere Ebenen angereichert wird.
Oder anders: Er übergibt den Kleiststoff in die Hände der Theatergruppe «Die freche Distel», die als Mini-Unternehmen mit vier Leuten die Stadthallen dieser Republik bespielt. Nicht von ungefähr erinnert der Titel an Peter Weiss. Dieses «Liebhabertheater» ist eine muntere intergenerationelle Truppe. Prinzipal Karl (Thomas Büchel) ist ein ehemaliger Idealist, trotz enttäuschter Träume voll Feuer. Seine Frau Edda (Anja Lenßen) backt nicht nur hervorragenden Kuchen und übernimmt Assistenzaufgaben, sie ist auch im Internet ein paar Mal falsch abgebogen und glaubt nun eher populistischen Schwurblern denn an die hohen Theorien des politischen Theaters. Die entdeckt hingegen ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Torben Ibs
Vor bald 40 Jahren, im Mai 1986, hatte Gordana Kosanovic, nach der dieser Preis benannt ist, Premiere mit Wedekinds «Lulu». Es war ihre zweite Lulu in einer Inszenierung von Roberto Ciulli und ihre letzte Rolle. In der ersten Lulu fünf Jahre zuvor hatten sich drei Schauspielerinnen die Figur geteilt und ihre jeweiligen Perspek -tiven darauf gezeigt, eine davon...
Er muss schon ein rechter Kotzbrocken gewesen sein, dieser Märchenonkel. «Der arme Andersen war lästig, die schlimmste Last aber blieb er sich selbst», schreibt der Literaturkritiker Michael Maar in seinem Buch «Leoparden im Tempel» über den Dichter Hans Christian Andersen. Und weiter: «Durch heillosen Egozentrismus fiel er noch den geduldigsten Gastgebern zur Last...
Als Albrecht Dürer 1515 das berühmte Rhinozeros mit dem Holzmesser in ein Druckbrett schnitt, da war die Migration hierzulande schon ziemlich alt. Die Hunnen kamen bereits im Jahr 375 nach Christi Geburt aus Asien ins Germanische geritten und lösten eine innereuropäische Migrationsbewegung von hoher Mobilität aus. Die sogenannte Völkerwanderung der Spätantike...
