Hoffnung ist süßer
«Man darf die Brücken nicht abreißen lassen.» Theaterdirektor Karl spricht diese Worte mit Blick auf seine Frau Edda ebenso gelassen wie sehnsüchtig aus. Sie markieren den diskursiven Stand des Heute genauso wie die Moral von Kleists «Kohlhaas», der hier in Meiningen in einer Bearbeitung von Björn SC Deigner auf die Bühne in den Kammerspielen gekommen ist. Deigner aktualisiert oder überschreibt dabei nicht die Kleistsche Novelle, sondern baut sich eine Strichfassung, die dann um mehrere Ebenen angereichert wird.
Oder anders: Er übergibt den Kleiststoff in die Hände der Theatergruppe «Die freche Distel», die als Mini-Unternehmen mit vier Leuten die Stadthallen dieser Republik bespielt. Nicht von ungefähr erinnert der Titel an Peter Weiss. Dieses «Liebhabertheater» ist eine muntere intergenerationelle Truppe. Prinzipal Karl (Thomas Büchel) ist ein ehemaliger Idealist, trotz enttäuschter Träume voll Feuer. Seine Frau Edda (Anja Lenßen) backt nicht nur hervorragenden Kuchen und übernimmt Assistenzaufgaben, sie ist auch im Internet ein paar Mal falsch abgebogen und glaubt nun eher populistischen Schwurblern denn an die hohen Theorien des politischen Theaters. Die entdeckt hingegen ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Torben Ibs
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Der Anfang war holprig, das Ende glanzvoll. Die Eröffnungsinszenierung der Intendanz Stefan Bachmanns in Köln war: «Der nackte Wahnsinn», wirklich. Michael Frayns parodistische Vignette über den Theateralltag wurde 2013 auf der 27-Meter-Bühne in der leeren Fabrikhalle in Köln-Mülheim zum Breitwandformat aufgeblasen, als wollte man Orson Welles’ «Citizen Kane» in...
Es hilft, wenn man nach dem Theaterabend «Den Aufstand proben – Handbuch einer Hausbesetzung» selbst in den Magnitorwall 18 einbiegt. Und wenn man dort noch das Glück hat, dass einen eine Theatermitarbeiterin kurz und beherzt hineinführt in die Räume. Die Räume, die jetzt Theaterbüros sind und damals Wohnungen waren: großbürgerlich hohe Decken, prunkvoller Stuck...
