Hoffnung ist süßer
«Man darf die Brücken nicht abreißen lassen.» Theaterdirektor Karl spricht diese Worte mit Blick auf seine Frau Edda ebenso gelassen wie sehnsüchtig aus. Sie markieren den diskursiven Stand des Heute genauso wie die Moral von Kleists «Kohlhaas», der hier in Meiningen in einer Bearbeitung von Björn SC Deigner auf die Bühne in den Kammerspielen gekommen ist. Deigner aktualisiert oder überschreibt dabei nicht die Kleistsche Novelle, sondern baut sich eine Strichfassung, die dann um mehrere Ebenen angereichert wird.
Oder anders: Er übergibt den Kleiststoff in die Hände der Theatergruppe «Die freche Distel», die als Mini-Unternehmen mit vier Leuten die Stadthallen dieser Republik bespielt. Nicht von ungefähr erinnert der Titel an Peter Weiss. Dieses «Liebhabertheater» ist eine muntere intergenerationelle Truppe. Prinzipal Karl (Thomas Büchel) ist ein ehemaliger Idealist, trotz enttäuschter Träume voll Feuer. Seine Frau Edda (Anja Lenßen) backt nicht nur hervorragenden Kuchen und übernimmt Assistenzaufgaben, sie ist auch im Internet ein paar Mal falsch abgebogen und glaubt nun eher populistischen Schwurblern denn an die hohen Theorien des politischen Theaters. Die entdeckt hingegen ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Torben Ibs
Das fing ja gut an: Kaum hatte Milo Rau sein Amt als Intendant der Wiener Festwochen angetreten, wurde auch schon Anklage gegen ihn erhoben. Grund: Förderungsmissbrauch. Im Prozess gegen Rau zitiert der Staatsanwalt in seiner Anklagerede aus einer parlamentarischen Anfrage des FPÖ-Politikers Christian Hafenecker, in der dieser wissen möchte, was daran förderwürdig...
Zum Schluss gab’s noch eine große Oper. Die Ausweitung der Sprechtheaterzone war für Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg in den vergangenen fünf Jahren Programm am Schauspielhaus Zürich – siehe auch das Gespräch im letztem Heft. Die Regisseurin und bildende Künstlerin Wu Tsang war dabei eine der federführenden Hauskünstler:innen. Ihre «Carmen» nun nach...
Im Theater gewesen und wieder was gelernt. Deutschland gönnt sich als Ausrichter der Fußballeuropameisterschaft also ein umfangreiches «Kunst- und Kulturprogramm zur UEFA Euro 2024». Weil es nicht kulturvoll genug ist, wenn Teams aus allen Ecken des Kontinents dem Ball hinterherjagen und sich Zuschauer an der gebotenen Artistik erfreuen? Warum eigentlich nicht?...
