Höher, weiter, schneller
In der U-Bahn würde einem dieser Typ nicht auffallen. Nicht besonders groß, nicht besonders schlank, weder schön noch hässlich, in Jeans und T-Shirt. Wild schlägt und hackt dieser Durchschnittstyp in die Luft, bevor er sich einem Holzklotz zuwendet und ihn so zum Bersten bringt, dass die Splitter ins Publikum fliegen. Die Eingangsszene des ins Nichts dreschenden Menschen komprimiert das Thema der fulminanten «Peer-Gynt»-Inszenierung von Roger Vontobel am Grillo Theater Essen: Verloren, ohne greifbares Gegenüber, treiben den Protagonisten seine inneren Gespenster um.
Auf zweieinviertel Stunden eingedampft, entschlackt von szenischem Beiwerk und Märchenkolorit, wird das Mammutstück zu einer Parabel auf den modernen Menschen und seinen Selbstverwirklichungsdrang – und Florian Lange als Peer Gynt ist ein Ereignis. Er ist kein schwärmerischer, realitätsferner Luftikus, sondern einer, der Kraft hat, aber sie nicht gezielt einsetzen kann. Immer wieder verliert er das Maß und wird dabei selbst beschädigt.
Die Bühne von Claudia Rohner ist leer bis zur Brandmauer. Einzig ein paar Farbtöpfe, Bierkästen und ein multifunktionales Holzgestell stehen herum. Doch der abstrakte Schauplatz ...
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Er war ein Mann der Mengen. Als er einmal in seinem geliebten Kochbuch von Paul Bocuse ein Kuchenrezept studierte, das unter anderem 24 Eier verlangte, sagte er zu seiner Tochter, die den Einkauf besorgte, «kauf 32»; als seine Kumpane in der Jugend aus Reisig und Holz die Osterfeuer richte-ten, stapelte er Autoreifen, steckte sie kilometerweit sichtbar in Brand,...
Das Stück ist eine Irritation. Vor zwei Jahren hatte es seine Uraufführung in Kopenhagen, und schon damals muss es wie aus der Zeit gefallen gewirkt haben. Ein Eindruck, der nun, bei der deutschsprachigen Erstaufführung, noch stärker ist. Alexander Nerlich inszenierte Dejan Dukovskis «Leere Stadt» im Marstall-Theater des Bayerischen Staatsschauspiels in München,...
Dea-Loher-Rezipienten lassen sich pauschal in zwei Gruppen teilen. Die einen, nennen wir sie Realisten, finden nach der Lektüre oder dem Besuch ihrer Stücke: So ist das Leben. Spätestens unterm Strich sind wir schließlich alle Enttäuschte, Traumatisierte, Gekränkte, Versehrte, vom Schicksal Betrogene und irgendwann Tote, und Dea Lohers Dramatik verleiht dieser...
