Hausgemachte Rechnerromantik

Mit Luis August Krawens Animationsfilm «Planet Magnon» nach dem Roman von Leif Randt sind die Münchner Kammerspiele unter die Filmproduzenten gegangen

Theater heute - Logo

Das Geheimnis guter Science Fiction liegt in der richtigen Mischung aus sozialer und szenischer Fantasie. Kein Plot überzeugt ohne entsprechendes Design. Dabei kann auch ein Gesicht wie eine Landschaft wirken und die Oberfläche eines fernen Planeten ein intensives Gefühl vermitteln. Normalerweise arbeiten bei der virtuellen Gestaltung filmischer Set Designs ganze Produktionsfirmen, zumindest aber vielköpfige Technikteams zusammen.

Nun hat jedoch der Videokünstler und 3D-Animateur Luis August Krawen im Auftrag der Münchner Kammerspiele und in Kooperation mit dem Filmfest München an seinem Rechner quasi im Alleingang eine virtuelle Welt erschaffen, in die Schauspieler:innen des Ensembles mittels Motion-Capture-Verfahren von vornehmlich Großaufnahmen mit unmerklich oberflächenverfremdeten Gesichtern hin -einkopiert wurden – mit der kalkulierten Sugge -stionskraft eines Arthouse-Computerspiels und einigen inhaltlichen Fragezeichen.

Die positive Nachricht zuerst: Es scheint noch einmal gutgegangen zu sein! Das ist das eigentlich Ungeheuerliche an der Zukunftsvision, die Leif Randt in seinem Roman «Planet Magnon» aus dem Jahr 2017 entwirft und Krawen in eine Filmvision von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Pläne, keine Intrigen

Peter Eschberg, der jetzt im steirischen Ort Kirchberg im Alter von 87 Jahren starb, war nach seiner Ausbildung am Wiener Reinhardt-Seminar ein an den Münchner Kammerspielen (1959–1962), an den Frankfurter Städtischen Bühnen (1963/64) und an den Westberliner Theatern Freie Volksbühne und Schaubühne am Halleschen Ufer (1964–1966) erfolgreicher, mit leichtem Sinn...

Von Machtfülle und Frauenleid

Da steht sie also, die große Oscar-Nominierte, deren Name nun Glamour und Gänsehaut verspricht, in gewaltig wallender Blondperücke. Obwohl diese Worte nicht zu Sandra Hüller passen, die ihren internationalen Ruhm doch durch ihre zurückgenommen-durchsichtige, eher anti-starhafte Schauspielkunst erlangt hat. Gerade hat sie eine Tänzerin wie ein Kind auf die Bühne der...

Hummer und Anti-Dornröschen

Neue Stoffe für die Bühne, mal was anderes als die Klassiker, bei denen sich da über die Jahrzehnte und -hunderte zu viel weltbildlicher Staub auf dem Kanon-Rücken angesammelt hat. Na, dann macht mal, muss sich Volkstheater-Intendant Christian Stückl gedacht haben, lässt er die Spielzeit doch von zwei Regisseurinnen mit frischen Stoffen eröffnen: Yorgos Lanthimos’...