Geschichten, die Körper werden

Kim de l’Horizons «Blutbuch» als Text der Stunde: mit Lucia Kotikova in Bern, von Ran Chai Bar-Zvi, Jan Friedrich und Leonie Böhm in Hannover, Magdeburg und Zürich

Theater heute - Logo

Waren Sie schon mal aufgeregt?», fragt die Schauspielerin Lucia Kotikova ins Berner Publikum. Sie selbst sei so aufgeregt wie noch nie – sie gehe jetzt gleich nochmal raus, und vielleicht könnten wir ja dann applaudieren, wenn sie wieder hereinkomme, das würde ihr vielleicht helfen? Mit feiner Selbstironie tritt Lucia Kotikova im Kammerspiel der Bühnen Bern, der kleinen Vidmar-Halle, vor das Publikum und fordert es zur Identitätsfindung heraus.

Natürlich geht sie nicht noch einmal ab (obwohl sie die Türfalle quasi in der Hand hat), sondern erst nach anderthalb Stunden, wenn sie ihr furioses Solo beendet haben und das Publikum hingerissen applaudieren wird.

«Kennt ihr das, wenn ihr reinkommt, und die ganzen Verwandten sind da?», fragt Koti -kova und hat uns schon. Beinahe unmerklich gleitet sie von der Performerinnen-Kunstfigur in die Horizonsche Erzählfigur: «Na, wie geht’s dir, Kind? Das Kind will etwas sagen. Es spürt den Blutbuchensämling im Bauch. Er wächst.» Ein kurzes Räuspern, ein Wechsel in der Stimmlage, die erzählende Behauptung ist in die lockere Publikumsansprache eingezogen.

Regisseur Sebastian Schug setzt sparsame, prägnante Orientierungsmarken im Wechsel der Ebenen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Andreas Klaeui

Weitere Beiträge
Das Ungeheuerliche neu durchdenken

Die unangenehme Frage zuerst: Ist das emotionale Erpressung? Und muss ich mir das geben? Da sitzen auf der Bühne im Theater Essen am Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine allen Ernstes drei echte Ukrainerinnen mit traurigem Blick am Exil-Esstisch und schöpfen echte Suppe in ihre echten Teller. Später stehen sie dann in fröhlichen Spielszenen am Rand...

Premieren 4/24

Daten

Premieren im April · On Tour/Freie Szene · Festivals · Suchlauf TV und Streams · Showroom · Links zu allen deutschsprachigen Bühnen auf theaterheute.de

AACHEN, GRENZLANDTHEATER
24. Akhtar, The Who and the What
R. Alexander Ritter

ALTENBURG/GERA, THEATER
13. von Praunheim, Hitlers Ziege und die Hämorrhoiden des Königs
R. Damian Popp

AUGSBURG, SENSEMBLE THEATER
...

Fliegen im Kopf

An schlechten Tagen wacht sie gar nicht auf, hat sich ins Schlafzimmer zurückgezogen, ist zugedröhnt von ihren Tabletten und überlässt ihre drei Kinder sich selbst. An guten Tagen aber steht sie plötzlich mit der Badetasche im Flur, macht Stress, ob die Schwimmsachen für den Ausflug ins Hallenbad schon eingepackt sind. Im Auto läuft Musik, «Bello e impossibile»,...