Fliegen im Kopf
An schlechten Tagen wacht sie gar nicht auf, hat sich ins Schlafzimmer zurückgezogen, ist zugedröhnt von ihren Tabletten und überlässt ihre drei Kinder sich selbst. An guten Tagen aber steht sie plötzlich mit der Badetasche im Flur, macht Stress, ob die Schwimmsachen für den Ausflug ins Hallenbad schon eingepackt sind. Im Auto läuft Musik, «Bello e impossibile», die Kinder denken, die Sängerin meine ihren Hund. Es gibt Gummischlangen, und die Welt ist schön, so schön wie in Gianna Nanninis Song, der von einer unmöglichen, unbesiegbaren Frau erzählt.
«Muttertier» von Leonie Lorena Wyss, Jahrgang 1997, ist eine Überforderungspartitur für «drei Geschwisterstimmen». Am Krankenbett ihrer Mutter erinnern sie sich an ihre Kindheit. An ihre Spiele, um die Einsamkeit zu vertreiben, wenn die Alleinerziehende wieder einmal out of order gewesen ist. Dann steigern sie sich in Szenen aus dem Katastrophenfilm «Titanic» (1997), wobei sie weniger die Lovestory als die Action interessiert. Immer, wenn Leonardo DiCaprio auftritt, zoomen sie schnell weg. Kate Winslet ist ihr Objekt der Begierde. Insofern macht es Sinn, dass bei der Uraufführung im kleinen Vestibül des Burgtheaters drei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2024
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Karin Cerny
Sprachlos! Gar nichts sagen? Nein, das kann ich nicht, auch wenn ich mich so fühle, aber ohne Worte dich gehen lassen möchte ich, will ich nicht. Denn wir haben doch so viel ge -sprochen, und so viele Worte hast du geschrieben, die mich so berührt, so überrascht, so zum Lachen gebracht haben.
Was hast du geschrieben und geschrieben, jeden Tag, jeden Tag brachtest...
Zwischen weltabgewandter Verstiegenheit und künstlerischer Radikalität liegt manchmal nur ein hauchfeiner Grat. Auf dem balanciert, in beide Richtungen durchaus absturzgefährdet, Robert Borgmanns «Athena» im Marstall des Münchner Residenztheaters. Statt wohlmeinender «Eumeniden», wie der letzte Teil der Orestie bei Aischylos überschrieben ist, hat Borgmann den...
Die Theaterkritik von damals zu finden, war genauso schwierig wie damals die Suche nach dem Theater, in dem ein neuer Theatertext inszeniert wurde, den der Regisseur des Abends auch geschrieben hatte. Es war im November 1991 und auch deshalb so außergewöhnlich, weil sich das Ganze im pfälzischen Frankenthal ereignete. Dass es da eine zwar kleine, aber wohl doch...
