Geisterbahn in die Zukunft

Jan-Christoph Gockel fährt in Frankfurt mit Goethes «Faust 1&2» Geisterbahn – und Wilke Weermann philosophiert in seiner Boulevardkomödie «Alle Zeit der Welt» über Tourismus in die Vergangenheit

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Ist es Zufall, dass diese Gliederpuppe entfernt an den alten Konrad Adenauer erinnert? Michael Pietsch, der Puppenspielerund -bauer, mit dem Jan-Christoph Gockel regelmäßig zusammenarbeitet, hat der Titelpuppe das Gesicht eines alten grauen Mannes verliehen, ein kahles Haupt mit großen Ohren, langer Oberlippe, Doppelkinn und schon tief gesunkenen Augen. Müde und erschöpft sieht Doktor Faust aus, und immer wieder liegt er einfach wie tot auf der Bühne oder im Stadtraum.

Das Frankfurter Ensemble muss ihm dann neues Leben einhauchen, seine Hand führen oder ihn sich gleich komplett vor den eigenen Körper schnallen, was im Laufe des viereinhalbstündigen Abends für viele originelle, teils höchst virtuose Szenen sorgt.

Gleich zu Beginn sind es Gott und Mephisto, die sich in Personalunion einer feudelnden Putzfrau (Wolfram Koch) über die Faustpuppe vorne am Bühnenrand beugen. Nach einem Schlagabtausch im Selbstgespräch erweckt sie sie mit Beatmung und Herzdruckmassage zum Leben. Und ist das keine schlagende Metapher – Faust als Geschöpf Gottes, des Teufels, seiner Mitspieler:innen?

Ein moderner Mensch
Doch Faust als Puppe – historisch begründet in Goethes verbürgtem Interesse am ...

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Theater heute November 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Eva Behrendt

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