Gegensätze zieht sie an
Diese Frau soll Kostümbildnerin sein? Zur blauen Jeans trägt sie ein schlichtes, geripptes schwarzes Shirt mit Spaghettiträgern, die wilden Locken hat sie mit einer Spange am Hinterkopf gebändigt, eine schwarze Schirmmütze über die dunklen Haare geschoben. So unauffällig sehen doch Kostümbildner:innen nicht aus; das sind doch die, die man beim Premierenapplaus immer an den ausgefallenen Outfits erkennt.
Nicht so Sabrina Bosshard. Die 39-jährige Zürcherin erregt lieber mit ihren Kostümen Aufsehen. Da kann es ihr nicht schrill, nicht künstlich genug sein.
Etwa diese Kneipengesellschaft von Werner Schwabs «Übergewicht, unwichtig: Unform» am Staatstheater Nürnberg, das zum Theatertreffen eingeladen wurde: Alle Spieler:innen stecken in rosafarbenen Latexkörpern, aus denen dicke kurze Beinchen links und rechts in die Luft ragen (die eigenen Beine bringen dunkle Strümpfe optisch zum Verschwinden). Masken machen alle zu Glatzenträger:innen, lassen nur die Augen frei und den Mund, den wulstige Lippen überbetonen. An den Leibern tragen sie schrillrote oder schreiend grüne kurze Kleidchen für die weiblich gelesenen Wesen, aus tiefen Ausschnitten lugen silberne Brüste mit knallroten Nippeln ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 26
von Valeria Heintges
Ein nebliger Abend im Advent des Jahres 1938 an der deutschen Küste, nahe einem großen Hafen. Die Angst kommt mit der Kälte des Wassers und der Dunkelheit des Meeres. Unter 10° Celsius entspricht die Chance zur Selbstrettung dem Wert der Wassertemperatur in Minuten, besagt eine Faustregel unter Seeleuten. Verschwindend gering ist die Wahrscheinlichkeit, unter...
Dieser Bilderstrom ist eine permanente Überwältigung, ein irrer Sog, ein Labyrinth, in dem man sich verlieren kann. Dynamisch und in hohem Tempo ergießt er sich in der Romanadaption «RCE» am Berliner Ensemble auf Daniel Roskamps Bühnenkonstruktion. Wie mit Buntstift schraffierte Farbnetze auf schwarzem Grund zum Auftakt, sich in verschiedenen Graustufen...
Vielleicht liegt es an der Dichte der Theaterwände, die für Schallschutz sorgt. Dass Ereignisse von außen nicht hereindringen. Dass weder die Menschen darin noch die Institutionen als solche erreicht werden. Dass das zarte Zischen einer Kerze, zertreten von einem Stiefel, nicht gehört wird. (Aber natürlich nicht; zu weit weg, zu klein, zu schnell). Auch nicht das...
