Für das Publikum der Zukunft

In Frankfurt erkundet das Modellprojekt «Junge Theaterwerkstatt», was ein Produktionshaus für Kinder und Jugendliche in einer Stadt heute bewirken kann

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Von der Decke tropft es. Erst bemerkt das niemand, alle haben zu viel zu tun – damit, Klebebandrollen von rechts nach links zu tragen, beispielsweise. Oder mit dem Verlegen eines orangefarbenen Verlängerungskabels. Was Erwachsene eben so machen, tagein, tagaus. Die lecke Decke kann diese geruhsame Geschäftigkeit zunächst kaum erschüttern, die Performerinnen schauen hin und machen weiter. Bis auf Sarah Vangeel, die schließlich eine Lösung findet: Sie hält ein Wasserglas darunter.

Ihre Kolleginnen nehmen es achselzuckend zur Kenntnis, eine schiebt ihr einen Hocker hin, für etwas mehr Bequemlichkeit. Problem gelöst! Doch dabei, man ahnt es rasch, wird es nicht bleiben.

«Große Menschen» heißt das Stück der belgischen Compagnie Barbarie, in dem sich vier Performerinnen dem zunehmenden Entgleiten ihrer Bühnen-Welt stellen müssen – mit Klebeband, Klappleitern, Stoizismus und Improvisationstalent. Und zur großen Erheiterung des Publikums, sowohl des erwachsenen als auch des jungen. Die Erwachsenen haben hier offensichtlich nicht alles unter Kontrolle, sondern flickschustern gegen die Wassereinbrüche auf der Bühne, so gut – oder schlecht – sie eben können. Es ist ein wildes, witziges und ...

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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Jugentheater, Seite 52
von Esther Boldt

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