Für das Publikum der Zukunft
Von der Decke tropft es. Erst bemerkt das niemand, alle haben zu viel zu tun – damit, Klebebandrollen von rechts nach links zu tragen, beispielsweise. Oder mit dem Verlegen eines orangefarbenen Verlängerungskabels. Was Erwachsene eben so machen, tagein, tagaus. Die lecke Decke kann diese geruhsame Geschäftigkeit zunächst kaum erschüttern, die Performerinnen schauen hin und machen weiter. Bis auf Sarah Vangeel, die schließlich eine Lösung findet: Sie hält ein Wasserglas darunter.
Ihre Kolleginnen nehmen es achselzuckend zur Kenntnis, eine schiebt ihr einen Hocker hin, für etwas mehr Bequemlichkeit. Problem gelöst! Doch dabei, man ahnt es rasch, wird es nicht bleiben.
«Große Menschen» heißt das Stück der belgischen Compagnie Barbarie, in dem sich vier Performerinnen dem zunehmenden Entgleiten ihrer Bühnen-Welt stellen müssen – mit Klebeband, Klappleitern, Stoizismus und Improvisationstalent. Und zur großen Erheiterung des Publikums, sowohl des erwachsenen als auch des jungen. Die Erwachsenen haben hier offensichtlich nicht alles unter Kontrolle, sondern flickschustern gegen die Wassereinbrüche auf der Bühne, so gut – oder schlecht – sie eben können. Es ist ein wildes, witziges und ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Jugentheater, Seite 52
von Esther Boldt
Ein Hochhausdach, vier Personen, kein Handy, kein Schlüssel, und die Tür zum Treppenhaus fällt ins Schloss. Dumm gelaufen, nicht nur für Ava, 30, die vor zu viel Sozialstress aus ihrer Wohnung aufs Dach geflohen ist. Ebendort und not amused sind jetzt auch die drei Stressursachen: Robin, 32, hatte eben noch wunderbaren bekifften Sex mit Ava und ist mit einem Mann...
Sie erscheint von Anfang an brüchig, die Selbstherrlichkeit, mit der Thomas Schmauser als «Baumeister Solness» noch vor dem Eisernen Vorhang seine Erfolge bilanziert – mit Worten, die Yves Saint Laurent, ein anderer großer, zeitlebens von Depressionen und Selbstzweifeln geplagter Kreativer auf seiner Abschieds-Pressekonferenz wählte: «Jeder Mensch braucht seine...
Zumindest im belgischen Gent scheint die Welt noch in Ordnung zu sein: «Da Gent eine sehr progressive Stadt ist, scheint rechtsextreme Einflussnahme auf Kultur noch sehr weit weg zu sein», erzählt Ilse Delmeire, Geschäftsführerin des Campo-Theaters Gent. Trotz Kürzungen und jüngster Reduktion der Anzahl ihrer Mitarbeiterinnen von 22 auf 18 funktionierten die...
