Totaler Kulturkrieg
Zumindest im belgischen Gent scheint die Welt noch in Ordnung zu sein: «Da Gent eine sehr progressive Stadt ist, scheint rechtsextreme Einflussnahme auf Kultur noch sehr weit weg zu sein», erzählt Ilse Delmeire, Geschäftsführerin des Campo-Theaters Gent. Trotz Kürzungen und jüngster Reduktion der Anzahl ihrer Mitarbeiterinnen von 22 auf 18 funktionierten die demokratischen Kontrollinstanzen in Belgien gut.
Und doch erreichen bei aktuellen Umfragewerten die rechtsnationale NVA und der rechtspopulistische Vlaams Belang in Flandern fast 50 Prozent, werde das Koalitionsverbot mit Vlaams Belang in kleineren Städten aufgeweicht, stiegen die Versuche politischer Einflussnahme auf Kultur.
Besonders der spezielle Kulturvertrag, der 1970 in Flandern geschlossen wurde, erweise sich als problematisch: Eigentlich sehe er demokratisch vor, dass im Vorstand jeder großen Kulturinstitution jede politische Ausrichtung Mitspracherecht habe. Doch genau daher kämen nun die zunehmenden rechtsextremen Einflussversuche. So verunglimpfte der Vlaams Belang-Politiker und Vorstandsmitglied des Königlich Flämischen Schauburg KVS Filip Brusselmanns den Intendanten Michael de Cock öffentlich, indem er über ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Dorothea Marcus
«Eine Irre bist du, eine Trudnerin», brüllt ein ungnädig-frustrierter Schwiegersohn (Jeremias Beckford) über die Studiobühnen-Rampe des Bamberger ETA Hoffmann Theaters. Und es dauert nicht lange, bis er die Adressatin der Beschimpfung – seine verhasste Schwiegermutter, die in Gestalt der Schauspielerin Martina Dähne zu diesem Zeitpunkt noch unerschrocken-tough...
ERSTER TEIL
Regine der Schnee körnig
und unter
einem achatgrauen Himmel so
schnell zu Boden fallend wie
ein plötzlicher Regen ich
stehe am Küchenfenster
rauche unablässig in
den Tag hinein ein
Rieseln auf Betonplatten und
das Blech der Fensterbank im
Schlafzimmer liegt
mein Mann liegt Wolfgang
im täglichen Abtragen der
Erinnerungsschichten die Vergangenheit
als...
Die Aufführung ist erst wenige Minuten alt, als auf der Bühne jemand ein paar grundsätzliche Fragen stellt, die man im Zuschauerraum zu diesem Zeitpunkt ganz gut nachvollziehen kann: «Was ist das für ein Ort? Wo sind wir hier? Was hat das alles zu bedeuten?»
Nun, wir sind im Wiener Volkstheater, wo die Regisseurin Anna-Sophie Mahler das wenig gespielte...
