Groteskes Triptychon
Sie sind gekommen, um «Tschüss» zu sagen. Nach fünf Jahren an der Volksbühne, nach fünf Jahren Festspielen mit der vielköpfigen Fritsch-Familie, die ein großer bunter Wanderzirkus ist: feinste Lachmuskelartisten, die Herbert Fritsch über die Zeit an zig Stadttheatern aufgetan hat. Jetzt treten sie noch einmal zur Rampe vor, einzeln, hundert letzte Minuten Hochdruck-Varieté liegen hinter ihnen. «Tschüss» sagen sie, der eine leise, die andere kraftvoll. Bei einem klingt es aasig wie ein «Schoass». Aber Schoass oder Scheiß ist es wahrlich nicht gewesen.
Sondern «Pfusch» pfurioso!
«Pfusch» hat Herbert Fritsch seinen finalen Volksbühnen-Streich genannt. Eine Uraufführung, weitestgehend wortlos, wie viele der paradigmatischen Arbeiten, die Fritsch an diesem Ort kreiert hat. Von «Murmel Murmel» über «Ohne Titel Nr. 1» bis «der die mann». «Hey Leute, lasst uns in die Röhre schauen», ist einer der wenigen Sätze, die an diesem Abend fallen. Und das ist erst einmal wortwörtlich gemeint. Ein riesiges Rohr, an sich aus Holz, doch in der Anmutung stählern wirkend, hat die Volksbühnen-Werkstatt für Fritsch (wieder Bühnenbildner in eigener Sache) gefertigt. Ein Kanalrohr. Zu ...
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Theater heute Januar 2017
Rubrik: , Seite 12
von Christian Rakow
Aufführungen
War vielleicht doch ein bisschen zu viel medialer Gegenwind, der Matthias Lilienthals als «Pipifax» geschmähter Performance-Schiene entgegenschlug. Ins neue Jahr jedenfalls starten die Münchner Kammerspiele so kanonisch wie nur irgend möglich: Mit Tschechows «Kirschgarten», möglicherweise leicht entkanonisiert durch Nicolas Stemann, und...
Als Intro zu Oliver Frljics «Requiem für Europa» tritt der Schauspieler Sebastian Pass in einer Art Horrorclownkostüm an die Rampe des Staatsschauspiels Dresden. Er sei neu im Ensemble und habe «ein Gastgeschenk» mitgebracht, säuselt er mit einem Suggestiv-Tremolo ins Parkett, als hätte er den Job des Sandmannes übernommen. Es handele sich um einen Wunsch....
Selbstkritik ist noch immer ein rares Gut, obwohl sie so große Sympathien erzeugt. Sebastian Hartmann hat das erkannt und tut, was die Seehofers, Beckenbauers, Winterkorns und Petrys dieser Welt so krampfhaft vermeiden, bis sie niemand mehr mag: Er stellt öffentlich fest, dass er daneben lag. Im Programmheft zu seiner dritten Stuttgarter Inszenierung gibt er...
