Gruß aus der Küche
Die 1980er Jahre waren glamourös. Männliche Popstars trugen Lidschatten und Lippenstift, ohne auf die Idee zu kommen, sich als genderfluid zu bezeichnen. Das Fernsehen, damals noch Leitmedium, warf einen Blick in die Welt der Superreichen. Wenn «Dallas» ab 1978 lief, drängte sich die ganze Familie, von der Oma bis zum Enkelkind, vor dem Bildschirm, schließlich wollte man am nächsten Tag im Büro oder beim Bäcker mitreden können, wie dekadent die Ölgiganten es diesmal wieder getrieben hatten.
«Der Denver-Clan» setzte ab 1981 dann noch eins drauf: Egos so breit wie die ohnehin nicht schmalen Schulterpolster.
Man muss diesen Hintergrund kennen, um zu verstehen, was für ein Alien die deutsche Familienserie «Lindenstraße» eigentlich war, die 1985 erstmals ausgestrahlt wurde. Bisher war alles bigger than life gewesen, plötzlich sah man in Wohnzimmer, die ähnlich schäbig waren wie die eigenen vier Wände, beobachtete Menschen, die genauso durchschnittlich langweilig waren wie man selbst. Die «Lindenstraße» war ein Realitätsschock. Extremer Nicht-Eskapismus war angesagt.
Ich bin damals sofort reingekippt, kann mich noch an die bunten Sportjacken von Tennisjungstar Tanja erinnern, die zu ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: In Quarantäne, Seite 48
von Karin Cerny
Zum letzten Mal Theater vor dem Lockdown, vielleicht sogar die letzte Premiere der Spielzeit: Zwei Tage vor Christoph Marthalers abgesagter Dieter-Roth-Uraufführung «Das Weinen (Das Wähnen)» konnte Leonie Böhm, Hausregisseurin am Schauspielhaus, ihren Büchner-Abend noch herausbringen. Es grenzt an ein Wunder, viele Theater hatten schon geschlossen, und am...
Guten Morgen, ihr Arschlöcher!», brüllt Vandam über den Plattenbau. Hart, aber herzlich geht es zu in der Prager Vorstadt, wo Vandam und Psycho tagsüber einen Hilfsjob auf dem Bau absolvieren und sich abends in Luckas Kneipe die Kante geben. Aggro-Typen, aber mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Obwohl, das mit dem Herz ist so eine Sache: Vandam behauptet, 1989...
Der Humor darf nicht verloren gehen. Gerade wenn alles beklemmend wirkt. Wie in der Box des Deutschen Theaters Berlin an einem Freitag im März dieses Jahres. Man spielt «Zu der Zeit der Königinmutter» von Fiston Mwanza Mujila, ein nebulöses, flächiges Stück, das mit postkolonialistischer Grundierung von einer fiktiven «New Jersey Bar» erzählt und von den...
