Freie Szene Berlin: Wo die Miete alles auffrisst
Im Februar vergab die Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser erstmalig den «Weak Art Award» – einen «Preis für herausragende Leistungen zur Schwächung der Kunst in Berlin». Leicht dürfte der vierköpfigen Fach-Jury ihre Entscheidung angesichts der aktuellen Immobilienmarktlage und der zahlreichen Nominierungen nicht gefallen sein.
Doch schließlich einigte man sich in der Kategorie «Personen/Unternehmen/ Institutionen» auf Udo Schlömer, CEO der Factory Works GmbH, der die Kunst- und Kleingewerbestandorte Atelierhaus POST OST in der Palisadenstraße und den Gewerbehof Lohmühlenstraße erfolgreich abgewickelt hatte. Dabei würdigte die Jury insbesondere Schlömers Leistungen in den Bereichen «Art-Washing», «Scheinkommunikation mit Künstler*innen» und «Instrumentalisierung des Kreativ-Begriffs für Gewinnmaximierung».
Dauerkrisendiskurs
Mit der Wahl seines Festivalzentrums positionierte sich das diesjährige Performing Arts Festival (PAF) wieder prominent im Berliner Dauerkrisendiskurs «Wem gehört die Stadt?!». Nach der temporären Nutzung des Entwicklungsobjekts Alte Münze im Jahr 2017, um dessen Zukunft als Standort der Freien Szene die «Initiative Spreewerkstätten» noch immer mit der ...
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Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Anja Quickert
Die Radikalisierung des Pferdehändlers Hans Kohlhase und seine Hinrichtung in Berlin am 22. März 1540 fielen in eine Zeit, in der das mittelalterliche Fehderecht noch virulent war. Privatrechtliche Ansprüche, so die Annahme, könne man mit Gewalt erzwingen. Auch knapp dreihundert Jahre später, als Heinrich von Kleist «Michael Kohlhaas» schrieb, waren die Zeiten in...
Orhan Pamuk war nicht da. Dabei hätte ihm das meiste von dem, was es hier zu bestaunen gab, sicher gefallen: diese nützlichen und weniger nützlichen objets trouvés, die Liebesgeschichten, die sich aus den Gegenständen herausschälten, der Nippeskram – er hätte all das sehr gut gebrauchen können für sein Istanbuler «Museum der Unschuld». Wobei das mit der Unschuld...
Von dieser Seite droht nichts Neues. Das Festival von Avignon in seiner 73. Ausgabe zeigt geradezu exemplarisch das Debakel einer arrivierten, institutionell etablierten, selbstgefälligen Linken in Frankreich. «Il faut réinventer la gauche», werden die soziologischen Revolutionäre um Didier Eribon, Edouard Louis, Geoffroy de Lagasnerie nicht müde zu rufen: Man muss...
