Fragen gegen das Leid
Oft führt man Gespräche mit Kolleg*nnen und Freunden über die Frage, ob etwas Kunst ist, und wenn ja, darf es das? Selten führt man ein Gespräch mit jemanden wie Thomaspeter Goergen, der Dramaturg und Jurist zugleich ist.
Dieses Gespräch habe ich kürzlich mit ihm geführt, und wir kamen auf folgende Gedanken.
Der Jurist sagt, die Kunst ist frei, und hat gleichzeitig Schwierigkeiten zu bestimmen, was da überhaupt frei sein soll. Kunst ist sogar für Juristen offenbar schwieriger zu definieren als zum Beispiel die Religion.
Wahrscheinlich hat man aber beim Grundgesetz nicht wie Beuys gedacht, denn dann hieße der Artikel ja in etwa «Die Schaffung neuer Formen, in unserer Gesellschaft zu leben, ist frei». Man kann sicher formal oder materiell versuchen, sich an Kunst anzunähern. Kunst ist dabei etwas sehr Ethisches. Der Gedanke Ästhetik gleich Ethik ist nicht neu; die ethischen Aufgaben erneuern sich aber.
Wie wir uns verhalten, Menschen und die Welt behandeln, ist heute vielleicht mehr als je zuvor nicht mehr von einem inneren Zensor beherrscht; es sind unsere Wahrnehmungen, die kontrolliert werden, bevor sie in unserem Hirn überhaupt zum Gedanken werden können. Der Satz von ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 58
von Ersan Mondtag
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