Unfinished Business
Ursprünglich wollte Toshiki Okada Filme machen. Doch nach einer ersten erfolgreichen Theaterregie-Erfahrung mit befreundeten Studierenden gründete er 1997 die Theaterkompanie chelfitsch (Babysprache für das englische «selfish» – also selbstsüchtig, egoistisch). Seitdem schreibt er in seiner Doppelfunktion als Autor- und Regisseur-in-Residence für chelfitsch und manchmal auch andere japanische Theaterkompanien Theaterstücke. Okada setzt in ihnen Tradition und Gegenwart auf eine Weise ins Verhältnis, die beides fremd erscheinen lässt. Er erzählt Geschichten aus einem Japan des 21.
Jahrhunderts, das vom beschleunigten globalen Kapitalismus geprägt ist, aber weiter ganz eigenen, lokalen Umgangsformen anhängt. In Okadas Stücken sehen wir Menschen, die in dieser sich wandelnden Welt einen aktiven Zugriff auf die sie umgebende Realität verloren haben. Und weniger kämpfen als flüchten: in die Erinnerung, in Trivialitäten, in den Konsum.
Nachdem Okadas Stücke bisher ausschließlich in Asien entstanden sind, schreibt er nun zum ersten Mal ein Auftragswerk für die Münchner Kammerspiele. «Nô Theater» (AT) wird sich der streng formalisierten Struktur der klassischen japanischen Theaterform ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 174
von Tarun Kade
In der Vorbereitungszeit auf die Intendanz von Andreas Beck am Theater Basel wurde das neue Team ab und zu in einem Hotel am Bahnhof SBB untergebracht, dessen Frühstücksraum im 8. Stockwerk liegt und bei schönem Wetter einen Blick bis zu den Höhen von Vogesen und Schwarzwald erlaubt. Lenkt der Frühstücksgast seinen Blick nicht in die Ferne, sondern einfach...
Ein Raum in den Münchner Kammerspielen. Die beiden Schauspieler des Jahres fallen sich lachend um den Hals. Vor Jahren haben sie einmal zusammen am Wiener Burgtheater gespielt, in Jan Bosses «Othello»: Edgar Selge war Jago, Caroline Peters seine Frau Emilia. Das Ehepaar ist sofort wiederbelebt, als die Fotografin auftaucht. Edgar Selge zückt den Kamm: «Mit dieser...
«Ich bin klein
mein Herz ist rein.
Soll niemand drin wohnen
Als Jesus allein.»
Wie viele Kinder müssen dieses Gebet vor dem Schlafengehen aufsagen? Es ist ein Ritual, und als solches schadet es nicht. Man spricht es, weil die Eltern es verlangen. Und irgendwann will man es vielleicht selber auch sprechen, weil man es nicht anders kennt. Die Rebellion setzt erst später...
