Fragen der Gerechtigkeit
«Bürgerkrieg ist höchstes Bürgerglück.» Thomas Braschs reichlich freie Übersetzung des Auftrittsmonologs macht ganz klar, was die Themen von «Romeo und Julia» sind: Krieg und Glück der Bürger. Das «Stadt:Kollektiv», Nachfolger der «Bürgerbühne» des Düsseldorfer Schauspielhauses, spannt in Bassam Ghazis Inszenierung das Band zwischen Bürgerliebe und Bürgerkrieg, bis es zerreißt. So bleiben nur noch Fetzen übrig, ein Szenenpuzzle, das man sich mit etwas Mühe zusammensetzen kann.
Rollenspiel und Selbstdarstellung sind Grundbedürfnisse des Menschen, die das Düsseldorfer Schauspielhaus mit solchen Inszenierungen, drei pro Spielzeit, und einem fast täglichen Programmangebot bedienen kann. Unter der Leitung von Birgit Lengers wird die partizipative Sparte ausgebaut.
Fünfzehn Darsteller:innen unterschiedlichen Alters zwischen 14 und 62, Laien allesamt, spielen Kinderliebe und Kindertod. Wie auch im professionellen Theater sind Romeo und Julia mehrfach und geschlechtsunabhängig besetzt, vier Julias, drei Romeos. Bei Inszenierungen mit Laien ist nicht nur die einigermaßen gleichgewichtige Verteilung der Spielanteile nötig, sondern auch die Entfaltung der Persönlichkeiten. Und zum aktuellen ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Gerhard Preußer
Manchmal programmieren Theater Stoffe passgenau zu politischen, gesellschaftlichen, historischen Schlüsselpunkten. Luk Perceval gelang so etwas vergangenen Januar am Hamburger Thalia Theater mit Hans Falladas «Wolf unter Wölfen»: Eine wütende Landbevölkerung rebellierte da gegen die demokratischen Regeln der Weimarer Republik, und parallel zur Premiere wurden...
Wie gehen wir mit Vorwürfen um, für die es keine eindeutigen Beweise gibt? Hat sich die Skepsis erst einmal festgesetzt, wird man sie so schnell nicht mehr los. Dann heißt es: im Zweifel für den Angeklagten. Denn wo nicht Recht vor Gerechtigkeit waltet, öffnen sich Tür und Tor der Barbarei. Doch was bedeutet das für die potenziellen Opfer? Auf welche Säulen können...
Die Leinwände an den Seitenwänden und der Rückwand bewegen sich langsam nach oben. Irgendwann sind Gebäude zu sehen, zur Bühne hin mit Arkaden bestückt, die nicht nur in der griechischen Sommerhitze für Schatten, eine kühlende Luftzirkulation und die Möglichkeit eines offen demokratischen Gedankenaustausches sorgen können.
Die Atmosphäre von Thea Hoffmann-Axthelms...
