Festival: Erfahrene Tresensteher
Ein Musical, ausgerechnet. Mit Andreas Doraus «König der Möwen» entwickelte sich das in der avancierten Theaterwelt vielgeschmähte Genre schon Wochen vor der Premiere zum Publikumsrenner beim Internationalen Sommerfestival im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel. Nicht etwa eine Parodie, sondern ein echtes Musical, mit schmissigen Songs von Elektropop-Urgestein Dorau, einer herzzerreißenden Story von Autor Gereon Klug und von Regisseur Patrick Wengenroth gewohnt trashig inszeniert.
Es gibt einen mehr oder weniger brav auserzählten Konflikt, es gibt Protagonisten, die nur die freundliche Kauzigkeit erfahrener Tresensteher vor dem Abgleiten zu Schießbudenfiguren rettet, und es gibt den schon im Titel angedeuteten Deus ex machina, der den Helden allerdings auch nicht mehr aus seiner Misere zu retten weiß. Ein echtes Musical, mit allem, was man an diesem Genre von Herzen verachten kann, und doch nicht irrelevant als Geschichte über Gentrifizierung, Stadtmarketing und ein totgelaufenes Popkulturselbstverständnis.
Dass der Abend ein Hit des Internationalen Sommerfestivals wurde, ist freilich ein Missverständnis. Weil nichts an «König der Möwen» international ist, im Gegenteil: Dorau, ...
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Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Falk Schreiber
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