Fest überm Abgrund
Das Leben ist ein Fest, und die schönste Rolle, die man dabei spielen kann, ist die der Gastgeberin. Das strahlt in vergnügtester Weise Wiebke Puls aus, wenn sie zehn Minuten vor Beginn der Vorstellung durchs Foyer der Münchner Kammerspiele schwebt – im schulterfreien, ausladenden Ballkleid, weiße Blüten auf schwarzem Grund, mit einem Kasten Bier auf der Schulter und Decken unterm Arm.
Endlich darf sie wieder spielen, und alle sind eingeladen, alle sollen sich gut fühlen an diesem Abend, als gäbe es kein Morgen – denn morgen wird es zumindest vieles nicht mehr geben, worauf man sich in diesem Stück so lange leichtherzig verlassen hat. Das Gut der jungen Generalswitwe Anna Petrowna, die Puls mit leuchtendem, leicht fiebrigem Elan spielt, wird morgen einem anderen gehören. Die Schulden sind nicht mehr zu bedienen, und der vermeintlich großzügige Gläubiger Glagoljew (robust und romantisch: Edmund Telgenkämper) will seine Rendite – entweder in Form einer Heirat mit der Schuldnerin oder eben in bar.
Alle haben ihr Konto überzogen, teilweise auch schon die Väter, denen der von Tschechow in einem Tagebucheintrag erwähnte Titel «Die Vaterlosen» lakonisch hinterherwinkt. Aber eigentlich ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Silvia Stammen
Nach den Vorwürfen gegen Till Lindemann, den Sänger der Band Rammstein, wird niemand auf die Idee kommen, die nun mindestens des Machtmissbrauchs gegenüber jungen Frauen verdächtige Praxis des Rockstars sei ein gutes Zeichen, um es musi -kalisch auf die Bühne zu holen. Vorerst kein Rammstein mehr als akustisches Kokain aus den Theaterlautsprechern. Denn die Musik...
ALTENBURG/GERA, THEATER
8.9. Shakespeare. Viel Lärm um Nichts
R. Jan Jochymski
BADEN-BADEN, THEATER
23.9. nach Büchner, Waits u.a., Woyzeck
R. Sandra Leupold
BASEL, THEATER
8.9. Haug nach Sophokles, Antigone
R. Antú Romero Nunes
21.9. Meinhold und Schötz, Little Ice Age
R. Marthe Meinhold
BERLIN, BERLINER ENSEMBLE
23.9. Büchner, Woyzeck
R. Ersan Mondtag
21.9....
Margit Carstensen war die Petra von Kant, im Film und auf der Bühne; sie prägte diese wie viele Fassbindersche Frauenfiguren. Dem Regisseur sei nachgesagt worden, sagt Carstensen 1992 in einem Interview, so negative Frauenbilder gezeichnet zu haben. «Dabei war ich das. Ich hab’ sie negativ gezeigt.» Schließlich seien hinter dem, was man nach außen sehe, oft doch...
