Foto: Esra Rotthoff/Maxim Gorki Theater
Falk Richter: Ein Teil einer Insel
Das große Übel unserer Zeit sind sich radikalisierende religiöse Fanatiker aller Konfessionen. Da könnte ich jetzt einige Namen nennen, mach ich aber nicht, sonst werd ich ja gleich wieder verklagt, also versuche ich es mal anders: Der ideale Staat kennt eine strikte Trennung von Staat und Religion. Keine Religion wird einer anderen Religion über- oder untergeordnet.
Alles Religiöse muss aus dem Staat, muss aus der Schule, aus dem staatlichen Fernsehen entfernt werden.
Die Kirchen haben kein Mitspracherecht in staatlichen Angelegenheiten, auch Parteien dürfen sich nicht über eine Religionszugehörigkeit definieren, sondern nur über einen Wertekanon, der über die Zugehörigkeit zu einer einzelnen Religion hinausgeht.
Alle Menschen sind gleich, und das heißt, dass wirklich alle Menschen die gleichen Rechte zugesichert bekommen, unabhängig von ihrer Ethnie, Hautfarbe, ihr Geschlecht, ihrer Nationalität, ihrem Einkommen, ihrer sexuellen Disposition, ihrer politischen oder sonstigen Haltung.
Erklärtes Ziel meines idealen Staates ist es, das Fantasma des Nationalismus und die Bezugnahme auf nationale Mythen als Grundlage der Identität zu überwinden. Die Bürger dieses Staates sind ein ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 36
von Falk Richter
Eben mal zwischen Volksbühnenabwicklung, Dernierenmarathon, dem großen Abschiedsfest auf der Rosa-Luxemburg-Straße und der letzten Gastspielreise nach Avignon den idealen Staat entwerfen? Für «Theater heute»? Auf nicht mehr als zwei bis drei Manuskriptblatt? Kein Problem: Dem Dramaturg in seiner berufsbedingten Vermessenheit ist nichts zu schwer, und diese Aufgabe...
EINS was die nicht verstehen
und in dieser sache unsren eltern
ähneln
ist der unterschied zwischen ihnen
die von irgendwo gekommen sind
und uns
die von nirgends anders her kommen
VIER es liegt auf der hand
es ist so klar
dass wir bloß gerade so
sehr knapp
an...
Erst einmal geht es ja nicht um wünsch dir was … Aber wenn in einem großen deutschsprachigen Theatermagazin nach dem idealen Staat gefragt wird, ist das ein Zeichen – ein Zeichen für Verunsicherung. Warum? Weil noch vor kurzem alles, was mit dem Begriff Utopie verbunden war, geächtet war, nein, einfach nicht ausgesprochen wurde. Das Thema war diskreditiert und...
