Expedition zu den Grundfragen
Die Welt der Eltern ist groß. Es gab die Angst, nicht Herr über das Thema
zu werden. Das Material vermehrte sich, wuchs; die elektronischen Notizbücher mit einer unüberschaubaren Zahl an Links schwollen an, die vielen Zettel und Verweise, ausgelegt auf dem Boden, bereit, zu einem Teppich verwoben zu werden, nahmen viele, zu viele Quadratmeter ein. Verzweiflungsschübe, Kampfansagen, Selbstüberlistungsversuche. Erschrecken vor den Lebensirrtümern, den politischen Illusionen. Leiden an der eigenen Verlogenheit. Vergossenes Herzblut. Eine Odyssee.
So beschreibt Nis-Momme Stockmann die Arbeit an seinem Stück «Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir». Für sie hatte er sich zurückgezogen aus einem Betrieb, der ihn bereits adoptiert hatte als Hoffnungsträger und außerordentliche Begabung – die er ist, zweifellos. In Interviews wehrte er sich gegen die dumme Kultur der Verortung, des Verstehens und der Nutzbarmachung, ließ verlauten, die ersten Stücke, für die er geliebt wurde, interessierten ihn nicht mehr. Stattdessen: Der Gedanke dürfe in keine verständliche Dramaturgie gezwängt werden, sondern müsse entfesselt, diskursiv kreisend und uneindeutig sein. Die Kritik hat ...
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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 170
von Judith Gerstenberg
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, sagt der Volksmund, was aber auch als subtiler Hinweis darauf verstanden werden kann, dass Geben und Nehmen kompliziert sind, denn zur Gabe gehört die angemessene Erwiderung: Genügt ein Lächeln? Muss mein Gegengeschenk den Wert des ersten womöglich übersteigen? Verpflichtet es mich vielleicht sogar ein Leben lang?
Hier...
Ein alter Mann und ein Mädchen begegnen sich in einer Bar. George, der sehnsüchtige Trinker, erliegt dem Blick der jungen Leila, der in seinen Augen die andere Seite der Welt erreicht. Die Amour fou nimmt ihren Lauf: Leila will weit weg gehen – und bei ihm liegen bleiben. Sie ist eine Prinzessin für George, die Möglichkeit, neu zu beginnen, aber vor allem der...
Unterschiedlicher könnten die Stücke des Jahres nicht sein: Im deutschen Sprachraum siegt Peter Handkes Geschichtssprachraumdrama «Immer noch Sturm» vor René Polleschs Individualiätsgruppenturnübung «Kill your Darlings!». Das ausländische Stück des Jahres ist Simon Stephens’ internationales Krimipuzzle «Three Kingdoms». Texte, Reden und Gesprächsbeiträge von Thomas...
