Es wird finster

Slapstick, No-Theater, Talking Blues: Herbert Fritsch torpediert mit Thomas Bernhards «Die Jagdgesellschaft» am Hamburger Schauspielhaus die eigene Ästhetik

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Alles Zerfall? Nicht wirklich. Dass der Wald in Thomas Bernhards «Die Jagdgesellschaft» von Borkenkäfern befallen ist, bleibt in Herbert Fritschs Inszenierung am Hamburger Schauspielhaus Behauptung. Stattdessen wuchern Bäume als durchaus kleidsames Wohnungsgrün in das Bühnengebäude hinein.

Und überhaupt, dieses von Regisseur Fritsch selbst gestaltete Gebäude: Das ist nicht die erwartete düstere, mo -drige Höhle, in die sich der Faschismus über Jahre eingeschrieben hat, wie sie gerne für Bernhard-Inszenierungen gebaut wird, zuletzt vor drei Jahren am gleichen Ort in Karin Henkels Mash-up aus «Ritter, Dene, Voss», «Vor dem Ruhestand» und «Auslöschung» unter dem Titel «Die Übriggebliebenen». 

Nein, Fritsch stellt lichtdurchflutete Sichtbeton-Moderne mit riesigem Panoramafenster ins Schauspielhaus, mit dekorativ hässlichem Kanonenofen und riesigem Ofenrohr, das sich durch den Raum schiebt. Zwar ruft die Dame des Hauses, die «Generalin» (Angelika Richter), immer wieder «Es wird finster!», das mag sich durch die Handlung erklären – die architektonischen und klimatischen Gegebenheiten haben mit Finsternis jedenfalls wenig zu tun.

Fritsch as Fritsch can?

Doch wo die Bühne die Erwartungen ...

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Theater heute 6 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Falk Schreiber

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