Es wird finster
Alles Zerfall? Nicht wirklich. Dass der Wald in Thomas Bernhards «Die Jagdgesellschaft» von Borkenkäfern befallen ist, bleibt in Herbert Fritschs Inszenierung am Hamburger Schauspielhaus Behauptung. Stattdessen wuchern Bäume als durchaus kleidsames Wohnungsgrün in das Bühnengebäude hinein.
Und überhaupt, dieses von Regisseur Fritsch selbst gestaltete Gebäude: Das ist nicht die erwartete düstere, mo -drige Höhle, in die sich der Faschismus über Jahre eingeschrieben hat, wie sie gerne für Bernhard-Inszenierungen gebaut wird, zuletzt vor drei Jahren am gleichen Ort in Karin Henkels Mash-up aus «Ritter, Dene, Voss», «Vor dem Ruhestand» und «Auslöschung» unter dem Titel «Die Übriggebliebenen».
Nein, Fritsch stellt lichtdurchflutete Sichtbeton-Moderne mit riesigem Panoramafenster ins Schauspielhaus, mit dekorativ hässlichem Kanonenofen und riesigem Ofenrohr, das sich durch den Raum schiebt. Zwar ruft die Dame des Hauses, die «Generalin» (Angelika Richter), immer wieder «Es wird finster!», das mag sich durch die Handlung erklären – die architektonischen und klimatischen Gegebenheiten haben mit Finsternis jedenfalls wenig zu tun.
Fritsch as Fritsch can?
Doch wo die Bühne die Erwartungen ...
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Theater heute 6 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Falk Schreiber
1. AKT
1.1 – Dena
Reiche Dena, Auftritt mit Grandezza. Publikum.
Dena Hi. Good Evening. Welcome. Musik. Falsche Musik. Andere Musik! Wieder falsche Musik. I wanted drums! Drums. I’m Dena Grigorova. I’m a Journalist. I grew up in a verarmte, bulgarische, griechisch-orthodoxe preachers-family. You can write that down. And I always wanted more money. Money to me war...
Das Lied von der Wurst und ihren zwei Enden ist ein fürchterlicher Karnevalsgassenhauer. So laut, so dumm, so dre -ckig. Dass es auch anders geht, zeigt Christoph Marthaler am Theater Basel. Ganz klein, ganz fein, ganz einstimmig singen sie dieses «Alles hat ein Ende.» Pause. «Nur die Wurst hat zwei.» Pause. «Jawoll, mein Schatz.» Pause. «Es ist vorbei.» Und...
Grüngraue Kachelstücke, grobe Abrisskanten, Staub. Sorgsam werden die Brocken auf dem Tisch arrangiert, nummeriert und katalogisiert. Sie sind scheinbar profan, könnten von jedem beliebigen Kachelofen eines Gründerzeithauses stammen. Doch sie gehören zu den Überresten der jüdischen Synagoge in Frankfurt am Main, die während der Novemberpogrome 1938 erst verwüstet...
