Es ist unsere Geschichte
Vanessas Vater arbeitet jetzt bei McDonald’s. Süß-Sauer-Soßen und Cheeseburger statt Tempeh aus dem eigenen indonesischen Restaurant, das er aus heiterem Himmel verkauft hat. Warum, weiß Vanessa nicht. Aber sie will es herausfinden. Wie so vieles über ihre Familie, über die Zusammenhänge, die dazu geführt haben, dass sie zwischen Deutschland und Jakarta aufgewachsen ist, dass ihre Mutter 1998 allein in Jakarta ge -blieben ist und ihr Vater so gut schweigen kann.
Verzweifelnd an den verdaulichen Häppchen des deutschen Bildungssystems, steigt Vanessa aus ihrem Referendariat als Geschichtslehrerin aus und wendet sich den tieferen Zusammenhängen von Verantwortung Schuld und Verdrängung in der deutschen (Post-) Kolonialgeschichte zu.
Mit «Asiawochen» hat Yannic Han Biao Federer den Autor:innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2025 gewonnen. Es ist sein zweiter Theatertext, bis dato erschienen von ihm mehrere Romane, Essays und Hörfunkbeiträge. «Asiawochen» ist ein dramatischer Text, der sich dagegen wehrt, immer nur das bereits Bekannte wiedererkennbar zu reproduzieren. Dieses Stück vermittelt Wissen – und verhandelt die Skepsis gegenüber seiner quasi-didaktischen Erzählhaltung ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Neue Stücke, Seite 150
von Maria Schneider
Es soll sehr ernst sein, und auch sehr lustig. Bitte. Aber im Zweifelsfall ernst», wünscht sich Kim de l’Horizon in der Vorbemerkung für das neue Stück «Die kleinen Meerjungraun», und fährt fort: «Humor ist ein Schutzschild, ja. Und nicht nur Pop, please, aber ein bisschen bäängen darf’s schon. Es muss nix neu erfunden werden. Wir sind ja schon da. Wenn auch nicht...
Es war einmal ein prächtiger Kirschgarten. Der schönste im ganzen Bezirk, er wurde sogar in Reiseführern erwähnt. Aber er hatte keine Zukunft, denn die Familie, die ihn so lange besaß, war pleite. Der Kirsch -garten wurde verkauft und gefällt: Das ganze Areal wurde in Parzellen aufgeteilt. So schrieb es Anton Tschechow 1904 in seinem letzten Stück «Der...
Ich fühle», sagt MR01 in Emre Akals neuem Text. «Ich fühle Sehnsucht. Ich fühle Liebe. Ich fühle Schmerz.» Eine Stimme, sanft, empathisch, ein Versprechen von Nähe. Doch was fühlt da wirklich? Wer spricht hier? MR01 ist kein einzelner Körper, keine fest umrissene Figur, sondern eine künstliche Intelligenz. Ein System, das sich materialisiert: als Mutter, als...
