Erschütterte Gewissheiten
Gemäuer wie Windows-Kacheln, schwebende Labyrinthe, gleißend gelbe Wüste mit trickanimierter Supernova-Sonne – diese Welt, durch die Frank wieder und wieder taumelt, scheint aus der Pionier-Ära der Computerspiele zu stammen. Eine Pixelwelt, die ihre algorithmische Gemachtheit nicht verschleiert. Frank erlebt sie wie in Trance. Computerstimmen sprechen zu ihm, während er auf der Suche nach Wasser für seine Familie ein ums andere Mal scheitert. Alles stirbt um ihn herum, Frank aber soll lernen, das System zu lesen, den Sinn des Ganzen. «You are the one», haucht ihm das System zu.
«The one – what?», fragt Frank zurück. Der Gott der Maschine? Oder ihr Knecht? Der Übermensch? Der gebückte Avatar?
Susanne Kennedys gemeinsam mit Markus Selg für die Berliner Volksbühne entworfene «Ultraworld» gibt sich als Reflexion über den Menschen im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit zu verstehen. Eine kafkaeske Parabel über das Gefangensein in einem System, das kein Entrinnen kennt und dessen Voicespuren beharrlich die Glücksversprechen des Silicon Valley auf Frank niedertröpfeln lassen. «The only way out is in»: Esoterische Botschaften wie diese geben die Tonlage des Abends vor. Sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2020
Rubrik: Was fehlt?, Seite 18
von Christian Rakow
Im November 1970 nimmt Peter Brückner, Professor für Psychologie an der TH Hannover, eine Zufallsbekanntschaft mit nach Hause. Ob ihm klar ist, dass es sich hier um Ulrike Meinhof handelt, ist strittig, jedenfalls gerät Brückner ins Visier der Polizei, verliert zeitweilig wegen des Radikalenerlasses seine Anstellung und wird in der Folge von der Boulevardpresse als...
Noch schien Brasilien verschont zu bleiben vom Virus, die Zahl der offiziell registrierten Infizierten war gering. Aber der unberechenbare Präsident kam gerade zurück vom Besuch bei Donald Trump, und zur Entourage gehörte auch Kommunikationschef Fabio Wajngarten – der war positiv getestet, und also ging auch Jair Bolsonaro in die Klinik. Die finalen Ergebnisse...
Ein kleines Virus legt nicht nur das Theatertreffen lahm – was noch niemandem zuvor in 57 Jahren gelungen ist –, sondern auch gleich den Rest der Welt, sofern er menschlich besiedelt ist. Eine Pandemie mit Abermillionen Infizierten ist die größte anzunehmende Kränkung für hominide Allmachtsfantasien und technologischen Machbarkeitsglauben und lässt alle übrigen...
