Entgrenzung und Transzendenz
Zwei Neonaugen leuchten in die Nacht hinein über dem Hintereingang des Theaters an der Ruhr. Zum Schlund wird das Türportal, das die Zuschauer vom illuminierten Raffelbergpark hineinsaugt und wieder ausspuckt. Innen ist das Foyer mit schwarzen Glitzerfäden ausgekleidet, rote Sofas laden zum Chillen ein. Oder man steht doch wieder auf und geht in der leicht kryptischen Videoinstallation «Zabriskie Point» herum. Beim legendären Aussichtspunkt über die psyche -delisch zerklüftete Mondlandschaft des Death Valley war schon Michel Foucault auf LSD.
In einem kleinen Kasten mit Sand kann man die Wüstenhügel per virtuellem Befehl nachbauen, und dann mischen sich Sequenzen aus dem lässigen gleichnamigen Hippie-Film von 1970 hinein, oder man sieht sich auf einmal selbst auf der Wand gespiegelt, mit Punkten verpixelt, fast als hätte man selbst Drogen genommen … vielleicht.
So ganz erschließt sich die Videoinstallation von Fabian Raith, Ex-Fellow der nahen Akademie für Digitalität und Theater, nicht, und so lässt man sich weitertreiben in den Park, wo zwischen dichten Bäumen oder verfallenen Gebäuden diverse Fernseher, rund sechs Film-Stationen, im Kunstparcours «How can I forget myself» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Dorothea Marcus
Im Theater heißt es oft: Eine Inszenierung brauche nicht viel, um ihre Botschaft zu transportieren. Der Ausdruck bekommt in «Vendo Humo», das am Zürcher Theater Spektakel zu sehen war, eine neue Bedeutung: Wenn Juan Onofri Barbato in seinem Solo an einem erhöhten Tisch sitzt und ihn von links und rechts nur zwei sehr kleine Nebelmaschinen besprühen, dann ist die...
Im Mai 2011 tauchte an der Karl-Marx-Allee plötzlich ein großes Schild auf, direkt vor dem ehemaligen kleinen Bungalow am Haus der Statistik. Darauf war in schönster Ferienkatalog-Ästhetik der Entwurf des geplanten Bauvorhabens «Berlin del Mar» zu sehen, eine Ferienhotelanlage mit King-Size-Pool, in Kooperation mit TUI. – Hier?, fragte man sich natürlich, direkt am...
Wie davon erzählen, vom vermeintlichen Ankommen als Arbeitsmigrant:innen-Kind im bundesdeutschen Wohlstandswesten? Vom sich Heraufschwingen in den Kronleuchter der Wunschexistenz, die doch immer gefährdet und prekär bleibt? Von den Erinnerungen an die dauergestresste Mutter, die von Niedriglohnjob zu Niedriglohnjob hetzen musste, nie Zeit für sich hatte, das Kind...
