Schnittpunkte von Raum und Zeit
Am 11. Juli dieses Jahres starb der 1949 im Berliner Osten geborene, durch die produktive Zusammenarbeit mit Heiner Müller bekannt gewordene Maler-Bühnenbildner Hans-J. Schlieker, der alles Sehbare sehen, alles Einsehbare vergessen und nur Künstler sein wollte. Interessiert nur an dem, was ist, jenseits von Begriffen und Beschreibung. Er hielt Kunst als Tätigkeit für in Verruf gekommen, zur bloßen Illustration von Ideen, zur Dekoration von Macht und Besitz geschrumpft. Kunst und Künstler, so sein Credo, müssen Abstand wahren, der ihnen die Draufsicht aufs Unbekannte erlaubt.
Um als Künstler staatlich nicht behelligt zu werden, arbeitete Schlieker als Bühnentechniker in der Volksbühne.
Als Heiner Müller 1980 im Theater im 3. Stock der Volksbühne zusammen mit Ginka Tscholakowa sein nach einer Erzählung von Anna Seghers geschriebenes Stück «Der Auftrag» mit Jürgen Holtz in der Hauptrolle inszenierte, wählte er als Bühnenbildner Schlieker, der für das Stück eine Bühnenrealität erzielen wollte, keinen Abbildrealismus. Er zeigte bzw. illustrierte weder die Französische Revolution noch die Landschaft der Karibik. Mit textilen Materialien schuf Schlieker eine ganz eigene Innenwelt. Es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Klaus Völker
Fast verwehte Spuren» nannten Albert Klein und Raya Kruk 1994 ihren Versuch, das Leben und die künstlerischen Wege des jüdischen Schauspielers Alexander Granach darzustellen, der 1933 emigrieren musste, in Warschau, in der Ukraine und Russland in jiddischer, polnischer und russischer Sprache Theater spielte, 1937 in die Schweiz ausreisen konnte und rechtzeitig vor...
Anne Leppers Jugendliche haben gerne einen Chor an der Seite, der wie ein moralischer Kompass funktioniert und ihnen den richtigen Weg weisen soll. Das war schon vor einiger Zeit in Stuttgart so, als eine reiche Lady sich in «Life can be so nice» einen Sonnyboy als Lover hielt. Sie residierte im Penthouse eines Hotels, verbannte den Toyboy dann aber nach unten in...
Man muss ein Mensch sein.» Was ist ein Mensch? Ist der Mensch ein Tier? Ein Mensch sein – eine große Aufgabe. Eine Frau sein, eine noch größere? Die Fragen könnten nicht grundsätzlicher sein, der Bühnenaufwand nicht geringer. Ein leerer Wohnzimmerkasten mit Sofa und Schreibtisch, in der Mitte eine Schiebetür, das ist alles. Große Fragen, wenig Worte. «Man darf kein...
