Empört euch!
Take that, Corona! Martin Kušej mag es zwar nicht, wenn man das Burgtheater verkürzt «die Burg» nennt, wie es die Wienerinnen und Wiener gern liebevoll tun, aber eine unwirtliche Festung war seine Eröffnungspremiere trotzdem. Burg passt eigentlich perfekt zu Kušejs martialischen Inszenierungen. Stattliche dreieinhalb Stunden inklusive Pause dauerte seine gewohnt düstere Version von Calderóns barockem Versdrama «Das Leben ein Traum».
Wo andere aufgrund der Pandemie kürzen, zerdehnt Kušej den Abend trotzig mit zahllosen Auf- und Abblenden, begleitet von bedrohlich wabernden Klängen von Bert Wrede. Erzählt wird die Geschichte des polnischen Königssohns Sigismund, der im Kerker dahinvegetiert, weggesperrt wegen einer Prophezeiung, er würde Tyrannei und Verderben über den Staat bringen. Philosophische Fragen nach Schicksal und freiem Willen werden verhandelt. Eine Männergesellschaft kämpft mit allen Mitteln um ihren Machterhalt und folgt dabei einem verknöcherten Begriff von Ehre und Autoritätsgläubigkeit. Kurzum: ein Stoff, wie gemacht für Kušej.
Schwarze Ziegel
Nachdem er den großen Auftakt zu seiner Intendanz im Vorjahr an Ulrich Rasche mit den «Persern» abgetreten hatte, gibt nun ...
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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Karin Cerny
Es gibt nicht viel zu sehen bei «Last but not last». Einziges Requisit ist ein großes Buch, das auf einer Art Altar liegt und aus dem abwechselnd die beiden libanesischen Künstler Lina Majdalanie und Rabih Mroué auf Englisch im Erzählerstil vorlesen. Über ihnen erscheinen in Überblendungen Illustrationen von George Khoury, der diese Lecture-Performance im Stil...
Lacht nicht über mich, ich bin ein alberner und altersschwacher Mann» – und keiner lacht. Lears Weg von Amtsmüdigkeit zu Altersstarrsinn zu Kontrollverlust, Gedächtnisschwund und Identitätsaufweichung ist dem Publikum ein bekannter Weg. Johan Simons schickt in seiner Bochumer Inszenierung den König Lear vorweg schon auf die Bühne mit der Bitte um Nachsicht.
Aber...
«In der heutigen Zeit möchten wir zur Entspannung leichte Musik.» / «Erheben Sie das Minderwertige doch nicht zum Symbol unserer Zeit!» / «Sie werden hiermit höflichst und inständigst gebeten, uns in Zukunft mit derartigem Quatsch zu verschonen.» Immunisiert sich Luise Voigt etwa gegen den erwarteten Shitstorm, indem sie noch vor Beginn ihrer Oldenburger «Draußen...
