Empört euch!

Martin Kušej eröffnet die Burgtheater-Saison düster mit Calderóns «Das Leben ein Traum», Lars-Ole Walburg lässt Thomas Köcks Sophokles-Überschreibung «antigone. ein requiem» vom Blatt spielen

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Take that, Corona! Martin Kušej mag es zwar nicht, wenn man das Burgtheater verkürzt «die Burg» nennt, wie es die Wienerinnen und Wiener gern liebevoll tun, aber eine unwirtliche Festung war seine Eröffnungspremiere trotzdem. Burg passt eigentlich perfekt zu Kušejs martialischen Inszenierungen. Stattliche dreieinhalb Stunden inklusive Pause dauerte seine gewohnt düstere Version von Calderóns barockem Versdrama «Das Leben ein Traum».

Wo andere aufgrund der Pandemie kürzen, zerdehnt Kušej den Abend trotzig mit zahllosen Auf- und Abblenden, begleitet von bedrohlich wabernden Klängen von Bert Wrede. Erzählt wird die Geschichte des polnischen Königssohns Sigismund, der im Kerker dahinvegetiert, weggesperrt wegen einer Prophezeiung, er würde Tyrannei und Verderben über den Staat bringen. Philosophische Fragen nach Schicksal und freiem Willen werden verhandelt. Eine Männergesellschaft kämpft mit allen Mitteln um ihren Machterhalt und folgt dabei einem verknöcherten Begriff von Ehre und Autoritätsgläubigkeit. Kurzum: ein Stoff, wie gemacht für Kušej.

Schwarze Ziegel

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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Karin Cerny

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