Elfenbeinernes Wunschdenken
Ein Mann sitzt auf dem Boden vor einem flachen Tisch mit verschiedenen Bechern und Kännchen. Hinter ihm durch die offene Fensterfront die Veranda, ein Gemüsegarten, der Himmel. Zhao Chuan bereitet seinen Tee schluckweise zu, gießt Wasser in den einen Becher, legt einen Deckel darauf, wartet, filtert in einen anderen Becher, trinkt einen Schluck. Und wieder von vorne. Ein faszinierend umständlicher, aber auch unglaublich beruhigender Vorgang, der sich auf einem von vierzehn Bildschirmen im Foyer des HAU 1 abspielt. Wäre da nicht die scharfe Stimme vom Nachbarscreen.
Sharmistha Saha steht auf ihrem winzigen Mumbaier Balkon und kri -tisiert scharf das neue hindu-nationalistische Einwanderungsgesetz. Und auf dem Bildschirm rechts zupft Berit Stumpf versonnen einen Frühlingsstrauß in Form. Was hat das alles mitein -ander zu tun?
Die Videoinstallation «Elephants in Rooms», die Gob Squad and Friends kurz vor Spielzeitende im HAU1 präsentierten, nimmt auf die Pandemie Bezug: Das Setting aller hier versammelten Videos ist die Privatwohnung, in der sich die Performenden selbst filmen. Stets sind ein Innenraum und ein Fenster sowie der oder die Bewohner:in zu sehen, an so verschiedenen Orten ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Eva Behrendt
Am 26. Juni starb in Basel der Theater- und Opernregisseur Hans Hollmann, dessen wesentlichster Charakterzug Neugierde war, das Beobachten von Menschen und das Interesse für die Magie der Sprache, «die ausgestellt werden muss, nicht etwa erlebt werden darf». Wenn er auch in den Jahren 1960 bis 1990 rastlos an fast allen deutschsprachigen Bühnen inszenierte, machte...
Tausend Äxte, die an Seilen vom Bühnenhimmel herabbaumeln, ein monströs großes Kruzifix, ein endlos langer Putin-Tisch, auf dem ein Spielzeugpanzer seine Runde dreht: Es sind eindrucksvolle Bilder, die Oliver Frljic gemeinsam mit Igor Pauška (Bühne) und Maja Mirkovic (Kostüme) für seine Adaption des Dostojewski-Romans «Schuld und Sühne» ausbaldowert hat. Die Frage...
Stalin soll derart panische Angst vor einem Attentat gehabt haben, dass seine Leibwächter wiederum panische Angst hatten, ohne ausdrücklichen Befehl das Schlafzimmer des «Stählernen» zu betreten. Als er eines Morgens infolge eines Schlaganfalls zusammenbrach, lag er wohl stundenlang vor seinem Bett, bis endlich jemand wagte, die Tür zu öffnen. Da war es allerdings...
