Elfenbeinernes Wunschdenken
Ein Mann sitzt auf dem Boden vor einem flachen Tisch mit verschiedenen Bechern und Kännchen. Hinter ihm durch die offene Fensterfront die Veranda, ein Gemüsegarten, der Himmel. Zhao Chuan bereitet seinen Tee schluckweise zu, gießt Wasser in den einen Becher, legt einen Deckel darauf, wartet, filtert in einen anderen Becher, trinkt einen Schluck. Und wieder von vorne. Ein faszinierend umständlicher, aber auch unglaublich beruhigender Vorgang, der sich auf einem von vierzehn Bildschirmen im Foyer des HAU 1 abspielt. Wäre da nicht die scharfe Stimme vom Nachbarscreen.
Sharmistha Saha steht auf ihrem winzigen Mumbaier Balkon und kri -tisiert scharf das neue hindu-nationalistische Einwanderungsgesetz. Und auf dem Bildschirm rechts zupft Berit Stumpf versonnen einen Frühlingsstrauß in Form. Was hat das alles mitein -ander zu tun?
Die Videoinstallation «Elephants in Rooms», die Gob Squad and Friends kurz vor Spielzeitende im HAU1 präsentierten, nimmt auf die Pandemie Bezug: Das Setting aller hier versammelten Videos ist die Privatwohnung, in der sich die Performenden selbst filmen. Stets sind ein Innenraum und ein Fenster sowie der oder die Bewohner:in zu sehen, an so verschiedenen Orten ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Eva Behrendt
Ein Winterabend im Jahr 2000. Lange nachdem in der Dantestraße im TFM-Institut (Theater-, Film- und Medienwissenschaft) der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität die letzten Mitarbeiter:innen nach Hause gegangen waren, leuchtete plötzlich ein Fenster hell auf. Wenn man genau hinsah, konnte man erkennen, wie sich Menschen aus dem Dunkeln herausschälten, die...
Max Stirner (1806 bis 1856) mochte keine großen Ideen. Weder Wahrheit noch Gerechtigkeit, weder Gemeinschaft noch Güte, schon gar nicht Religion oder andere Menschheitserlösungsgedanken, nicht einmal Allgemeinbegriffe wollte er akzeptieren. Nur «das Ich» – kompromisslosen Egoismus – ließ der philosophische Bilderstürmer gelten, obwohl auch das genau genommen ein...
Ein spiegelndes Designerhaus (Ramallah Aubrecht) leuchtet auf dem lauschigen Teich des Raffelbergparks hinter dem Theater an der Ruhr, drumherum wogen Weiden, schlängeln sich Gehölze, Lichter blinken aus den Büschen. Dr. Wangel lebt hier mit seiner zweiten Ehefrau Ellida und den Töchtern aus erster Ehe, doch es läuft nicht besonders gut. Müde und entrückt spielt...
