Blaue Stunden

Jonglieren mit Mainstream und Abwegigem, mit Kunst und Theorie: Das Internationale Sommerfestival Hamburg trotzt dem Publikumsschwund

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Irgendwann dümpeln Anne Bandez und Evilyn Frantic in einem azurblauen Swimmingpool vor sich hin. Bandez, unter dem Namen Little Annie eine zentrale Figur der New Yorker Punk-Avantgarde-Szene der 1980er, resümiert in ihrem Stück «52 Jokers» ihr Leben, ein mal böser, mal sentimentaler, mal überraschender Ritt auf Messers Schneide, der unvermittelt vom Musical in den Tanz kippt und vom Tanz in eine eigenartige Stand-up-Comedy-Form.

Zwischendurch schiebt sich Frantic, im Hauptberuf Burlesque-Performerin, die durch einen unter die Haut gehenden Auftritt in Florentina Holzingers «Tanz» auch einem weniger subkulturell bewanderten Publikum bekannt wurde, Nadeln ins Fleisch und schlägt so die Brücke vom Punk zur Body Art. 

In seiner Freude an der Grenzüberschreitung steht «52 Jokers» exemplarisch für das Programm beim Internationalen Sommerfestival im Hamburger Produktionshaus Kampnagel, das vom langjährigen Festivalleiter András Siebold eklektizistisch in den Grenzbereichen von Theater, Tanz, Performance und Musik kuratiert wurde. Es ist aber auch auf eine andere Weise formgebendes Element des Festivals. Weil die beiden Performerinnen nämlich zwischen all den Selbstverletzungen, dem ...

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Theater heute 10 2022
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Falk Schreiber

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