Ein Berg namens Leben
Margit Carstensen war die Petra von Kant, im Film und auf der Bühne; sie prägte diese wie viele Fassbindersche Frauenfiguren. Dem Regisseur sei nachgesagt worden, sagt Carstensen 1992 in einem Interview, so negative Frauenbilder gezeichnet zu haben. «Dabei war ich das. Ich hab’ sie negativ gezeigt.» Schließlich seien hinter dem, was man nach außen sehe, oft doch ganz andere Motive versteckt. «Deswegen habe ich alle Figuren zwiespältig gespielt.»
50 Jahre nach der Filmpremiere ist «Petra von Kant» noch immer Fassbinders meist gespieltes Bühnenstück.
Anfang Mai erst, vier Wochen vor dem Tod der großen Margit Carstensen, kam das Werk am Theater Basel zur Premiere, in der Regie von Anna Bergmann. Ursprünglich wollte die Französin Emilie Charriot inszenieren, doch musste sie kurzfristig abreisen, und so übernahm Karlsruhes Schauspieldirektorin die Aufgabe. Sie kannte das Werk, hatte sie es doch 2016 auf Schwedisch am Theater Malmö inszeniert.
Frauen in der Lebensmitte
Bergmanns Form der Nachbarschaftshilfe, sozusagen, begann zweieinhalb Wochen vor der Premiere. Keine Zeit für ein anderes Bühnenbild, für Umbesetzungen oder eine wesentlich andere Textfassung. Emilie Charriot verzichtet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Valeria Heintges
Josefine Israel spielt und spielt und spielt. Sie spielt die Schülerin Iselin. In Knausgårds «Der Morgenstern» (Regie Viktor Bodó, 2023). Für ihren Musiklehrer überwindet diese junge Frau unvermittelt ihre Scheu, wagt sich an die Untiefen ihrer Gefühle, singt hingebungsvoll Coldplays «Fix you», während der Pullunder-Pädagoge ungerührt in die Tasten seines...
Einen «autobiografischen Roman» nennt Samuel Finzi «Samuels Buch», sein Buch, die Coming-of-Age-Geschichte eines der beliebtesten und meistbeschäftigten Theater- und Filmschauspieler im deutschsprachigen Raum. Vielleicht wäre «Terrazzo-Mosaik» ein noch besserer Untertitel gewesen. Denn es ist der Terrazzo-Boden in seiner Berliner Küche, der ihn zum Terrazzo-Boden...
Fünf Tage lang ging es um jahrhundertealte Schuld genauso wie um die «Letzte Generation», um Queerness und um unumstößliche Männlichkeitsbilder, um die unendliche Liebe und um Gustaf Gründgens. Bei Gründgens dann allerdings weniger um die unendliche Liebe als um dessen stromlinienförmiges Verhalten während der NS-Zeit. Es ging um Herkunft und fremde Sprachen,...
