Düsseldorf: Die Zeit danach
Die einzige Profischauspielerin im Team, Hanna (Werth), gibt gleich zu Beginn den Problemtakt vor: «49 Prozent der Deutschen geben an, dass in ihrer Familie der Nationalsozialismus abgelehnt worden wäre. Niemand möchte gerne Nazis in der Familie haben.» Schon klar, aber: «Irgendjemand muss es gewesen sein. Hitler hat sich ja nicht selbst vom Straßenrand aus zugejubelt.
»
Wie steht es also mit Onkel Paul, Opa Heinz, Vater Karl, Mutter Liesel oder Bruder Erhard? Alle stramme Antinazis im Befehlsnotstand, die nichts getan und von nichts gewusst haben? Was haben sie eigentlich wirklich gemacht in den zwölf Hitler-Jahren, im Zweiten Weltkrieg, an der Ostfront? Und was haben sie davon erzählt? Und wer hat sie überhaupt danach gefragt? Also: Wer hat wirklich nachgefragt?
Den so simplen wie doch eigentlich selbstverständlichen Fragen gehen mit Christoph Seeger-Zurmühlen (Regie) und Juliane Hendes (Text) zehn Mitglieder der Düsseldorfer Bürgerbühne und ein Ensemblemitglied des Düsseldorfer Schauspielhauses nach, die bereit sind, auch wenig Schmeichelhaftes über die Vergangenheit herauszufinden.
Ihre Antworten fallen so einfach, selbstverständlich wie dennoch umwerfend aus. Christa meint: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2020
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Franz Wille
Aufführungen
Der Schweizer Schriftsteller, Grafiker und Aktionskünstler Dieter Roth hat schon Herbert Fritsch zu «Murmel, Murmel» inspiriert, jetzt setzt Christoph Marthaler in Zürich nach mit «Das Weinen (Das Wähnen)». Herbert Fritsch seinerseits tut sich in Bochum mit einem anderen Herbert zusammen, dem Bochumer Ex-Schauspieler und Musiker H. Grönemeyer:...
Thomas Bernhards letztes Theaterstück wurde genau 50 Jahre nach dem «Anschluss» Österreichs an Nazi-Deutschland uraufgeführt: «Heldenplatz» war der Beitrag des Burgtheaters zum Gedenkjahr 1988. Die Premiere war Auslöser eines legendären Theaterskandals, in dessen Verlauf unter anderem eine Fuhre Mist vor dem Theater abgelagert wurde und die «Kronen-Zeitung» mit der...
Nein, der Garten Eden sieht anders aus. Dieser hier ist eingefasst von einer hohen Metallwand, hinter der sich noch ein meterhoher Metallzaun wölbt – ein Gated Garden in einer unzweifelhaft Gated Community. Das Sicherheitssystem hat trotzdem Lücken: Ständig schleichen Störfaktoren herein, ungeladene Gäste. Ein reichlich abgerockter Nachbar zum Beispiel, der um...
